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Logbuch der Segelyacht Rumtreiber
- 21.08.2020 bis 29.09.2020 -

Der langersehnte Traum von den schwedischen Schären wurde Realität und nach monatelangen Vorbereitungen ging die Reise los. Mittlerweile sind wir längst wieder zu Hause und blicken auf eine unvergessliche Zeit zurück. Unsere Reise haben wir dokumentiert und sie steht hier zum Nachlesen bereit. Ein Abendteuer aus 40 Tagen, die abwechslungsreicher nicht hätten sein können.

Also, Leinen los und viel Spaß...


Vorbereitungen: Blechen, buckeln, bunkern!

Bis zum Start der Reise gab es eine Menge zu tun...

Begonnen mit der Planung der Reise haben wir bereits im Januar diesen Jahres. Das Boot wurde seit dem technisch umfangreich umgebaut und die Ausrüstung deutlich erweitert. Solarmodul, Beiboot, Mooringanker, Schärennägel, extralanges Festmachertauwerk, Ankerkette, Seekarten und Fachliteratur wurden gekauft und Youtube und Google regelrecht leergesaugt. Ziel war die einzigartige Schärenlandschaft an der Ostküste Schwedens. Flüge wurden gebucht und die Non-Stop-Route über Bornholm, Öland und Gotland war durchgeplant, bis - ja bis Corona kam und alles komplett durcheinander brachte.

Aufgrund der Reisebeschränkungen und der Quarantäneandrohung Schwedens geht es nun über die Nordspitze Dänemakrs und über das Skagerrak in die schwedischen Westschären zwischen Göteborg und Oslo. Somit findet der "Bettenwechsel" noch in Dänemark statt und wir sind nicht von den schwedischen Corona-Bestimmungen abhängig. Da dieser Törn mindestens genau so traumhaft ist, hat es uns somit auch nicht wirklich hart getroffen, lediglich die Flugtickets von und nach Stockholm sind verfallen.

Ankern steht an erster Stelle und idyllische Buchten und Naturhäfen sollen "unsere Marinas" werden. Das Boot ist mittlerweile autark, mit Omnia-Ofen, 400W-Solarmodul, 230V-Wechselrichter und 500 Ah starken Batteriebänken für Kühlschrank, Gefrierschrank, Thermomix und Einwürfelmaschine. Bevor es dann endlich losging, mussten noch Klamotten, Foto- und Videoausrüstung sowie 5 Einkaufswagen Verpflegung, Wasser, Dieselkraftstoff und Außenborderbenzin gebunkert werden, denn wir wollten so autark wir nur möglich in Richtung Schweden starten.

Somit gab es noch richtig was zu tun und wir standen schneller vor unserem ersten großen Abendteuer, als wir überhaupt aus der eigenen Box auslaufen konnten: EINKAUFEN, SCHLEPPEN, TANKEN, BUNKERN und VERSTAUEN !


So soll es werden: Jedes Boot bitte nur eine Bucht! Ankern ist die schönste Form der Entschleunigung...


Tag 1: Leinen los...

Freitag, 21.08.2020

Das Wetter zum Start unserer Reise war ausgeglichen: Viel Regen, dafür aber wenig Wind! Bereits auf dem Weg zum Boot fing es an zu regnen und sollte auch erstmal nicht mehr aufhören. Wir nutzen die Zeit unter Deck, in aller Ruhe die letzen Sachen zu verstauen und uns mit der Route zu beschäftigen. Ab 11.00 Uhr wurde es langsam weniger und so verließen wir um 11.30 Uhr den Liegepaltz bei leichtem Nieselregen. Unter Motor ging es aus der Trave mit Kurs auf die Spitze von Dahmeshöved. Kaum raus aus dem betonnten Fahrwasser, wurden wir auf Höhe Pötenitz von zwei Schweinswalen begrüßt. Wind und Flaute gaben sich abwechselnd die Hand und spielten mit uns mehrfach das Spiel "Segel hoch, Motor aus - Segel runter, Motor an". Timo testete sein neues Ölzeug und startete erste Angelversuche.

Um 17.00 Uhr umfuhren wir die Spitze von Dahmeshöved und nahmen Kurs auf das Fahrwasser Fehmarnsund. Es hörte auf zu nieseln und die Sonne kam raus. Vorne auf dem Sonnendeck gab es darauf zur Feier des Tages erschtma 'n gscheites Schnäpsle! Mit dem Booster-Segel kamen wir noch ein paar Seemeilen voran, bis der Wind völlig einschlief und wir wieder den Motor starteten. Kurz vor Sonnenuntergang passierten wir um 20.10 Uhr die Fehmarnsundbrücke, eine halbe Stunde später schalteten wir die Positionslaternen an und bereiteten uns auf die Nachtfahrt vor. Ab 22.00 Uhr wurde die Nachtwache im Zwei-Stunden-Rhytmus gehalten. Timo startete und ich löste ihn um 00.00 ab. Bis hier waren es 42 Seemeilen. Von Fehmarn war nur noch ein schwaches Licht vom Flügger Leuchtturm zu erkennen, ansonsten war der Himmel sternenklar.



Beim Ablegen wurden wir von der Crew der JOSI verabschiedet.



Schweinswale in der Ostsee. Wenigstens einen konnten wir auf Foto festhalten.



Schade, kurz vor dem Sonnenuntergang schob sich eine Wolkenwand davor.


Tag 2: Augen zu und dorsch!

Samstag, 22.08.2020

Nach wie vor mussten wir motoren. Der Wind wurde stärker, um die 4 Beaufort, nun aber direkt von vorne. Die Wellenhöhe nahm deutlich zu. Von weitem waren die Schiffe auf dem Kiel-Ostsee-Weg zu sehen, die in beide Richtungen zwischen dem Fehmarnbelt und dem Nord-Ostsee-Kanal fuhren. Schiff an Schiff, wie eine überdimensionale Lichterkette, zogen die großen Frachter durch die Nacht. Während unserer Querung des Fahrwassers, gegen 03.30 Uhr, war nur noch ein Frachter in unserer Nähe, den wir unter seinem Suchscheinwerferlicht sicher passierten konnten. Kurz vor 06.00 Uhr ging die Sonne auf, der Wind nahm nochmals zu und drehte auf Halbwindkurs. Endlich! Segel hoch und Motor aus. Kaum waren wir unter Vollzeug, also Großsegel und Genua mit voller Segelfläche, stieg der Wind auf bis zu 20 Knoten an, sodass wir reffen mussten, sprich die Segelfläche deutlich verkleinern. Hierfür wurde erst die Genau wieder eingerollt, das Boot unter Maschinenfahrt in den Wind gestellt und über die Reffbänder die Segelfläche des Großsegels auf 1/3 verkleinert. Anschließend Genua wieder raus und weiter ging die Fahrt in Richtung Sonderborg. Um 08.50 Uhr wurde die dänische Gastlandflagge in den Mast gezogen, da wir nun in dänischen Hoheitsgewässern unterwegs waren.

Bis zur Einfahrt in den Stadthafen von Sonderborg forderten weiter zunehmender Wind und Welle ununterbrochen unsere Aufmerksamkeit. Zusammen mit ca. 15 weiteren Booten warteten wir auf die Brückenöffnung um 11.38 Uhr und fuhren dann in den Alssund ein. "Jetzt beginnt der Urlaub..." dachten wir, wurden aber eines Besseren belehrt! Anstatt entspanntes Segeln in einem Trave-ähnlichen Revier stießen wir -und das Boot- hier echt auf unsere Grenzen, denn Böen bis zu 35 Knoten drückten der Rumtreiber regelmäßig die Fenster unter Wasser. Die Genua hatten wir dabei schon auf Sturmfockgröße eingerollt und das Groß weit geöffnet. Eine echte Herausforderung Mensch und Material, aber es gab keine Alternative. Augen zu und durch! Um 14.45 Uhr liefen wir dann endlich mit stark achterlichem Wind in die Bucht von Dyvig ein. Hinter der geschützten Landzunge fanden wir einen ruhigen Ankerplatz und konnten nach 26 Stunden und 100,5 Seemeilen erstmals richtig entspannen. Nach dem Aufklaren musste als erstes eine kräftige Stärkung her und Timo zauberte die lang ersehnte Original Krähenwinkler-Rumtreiber-Currywurst (Jörg, Deine Sauce war wieder fantastisch!). Nachmittgas bauten wir das Dingi mit Außenborder auf und cruisten bei Sonnenschein und nachlassendem Wind vom Ankerfeld in den idyllischen Hafen. Abends saßen wir unter Deck zusammen und suchten unter dem gemütlichen Licht der Petroliumlampe in der Seekarte geeignete Ziele für den nächsten Tag aus.



Einfahrt in den Stadthafen von Sonderborg.



Von beiden Seiten warteten zahlreiche Boote zum Passieren der Brücke.



Mehr Dänemark geht nicht! Dyvig wird als eine der schönsten Ankerbuchten beschrieben.


Tag 3: Einfach nur herrrlisch!

Sonntag, 23.08.2020

Heute war erstmal ausschlafen angesagt, der gestrige Tag steckte uns noch ordentlich in den Knochen. Der prasselnde Regen auf dem Deck bestätigte uns zudem in dem Gedanken, sich einfach schnell noch mal umzudrehen und nur noch ein ganz ganz kleines bisschen zu dösen. Laut Wetterbericht soll es den ganzen Vormittag noch Regen geben und ab mittags trocken bleiben. Timo ging im Regen erstmal eine Runde schwimmen und ich kümmerte mich um die Homepage. Anschließend Knotenkunde. Ab 13.00 Uhr begannen wir mit den Vorbereitungen zum Ablegen, inklusive einer zünftigen Mittagskost. Um 14.00 Uhr haben wir den Anker gehoben und die Wolkendecke riss auf. Nachdem wir die sehr schmale Passage der Einfahrt durchfahren hatten, bot uns die Dyvig Bugt herrlichste Segelbedingungen.

Für den heutigen Tag war nur ein kurzer Törn in die ca. 8 Seemeilen entfernte und geschützt gelegene Genner Bugt geplant, so dass wir unverzüglich die Segel hochzogen und in Richtung Alssund aufkreuzten. Aus der gestrigen Erfahrung heraus habe ich mich für das zweite Reff im Groß entschieden, denn die Böen hatten es nach wie vor in sich. Eine Entscheidung, die sich bereits eine Stunde später als die Richtige zeigte. Im Alssund blauer Himmel und Sonnenschein, Wind in Böen immer wieder an die 20 Knoten. Das ein oder andere Mal legte sich die Rumtreiber so auf die Seite, dass man aus den Fenstern im Salon die Fische hätte beobachten können. Krasses, aber tolles und sicheres segeln und für Timo ein optimales Skippertraining! Bis zu unserem Ankerplatz mussten wir aufkreuzen. Am Ende hatten wir mit 14,7 Seemeilen zwar fast die doppelte Strecke gemacht, dafür lief der Motor aber keine 10 Minuten. Nachdem der Anker fest auf Grund lag, der Ankerball gehisst und das Boot aufgeklart war, ließen wir das Dingi zu Wasser und erkundeteten als erstes ein uraltes Schiffswrack, welches am Rand der Bucht sicherlich schon ein paar Jährchen liegt. Den Abend ließen wir an Bord ausklingen, mit gutem Essen und den alten Gassenhauern von Hans Albers & Co. Morgen werden wir motoren müssen und wollen den Tag ausnutzen und ordentlich Strecke machen. Mittwoch soll der Wind richtig wehen, da kann es nicht schaden, wenn man schon ein paar Meilen auf der Haben-Seite hat. Nachts saßen wir noch an Deck, es war klar und milde und der Himmel bot uns ein unfassbares Sternenpanomama.



Blauer Himmel, Sonne und reichlich Wind. Skippertraining unter perfekten Voraussetzungen.



Vor Anker unter besten Bedingungen: Kein Wind, keine Welle, blauer Himmel und Sonnenschein!



Expedition in die Vergangenheit: Ein altes Wrack in der Bucht diente uns als Abenteuerinsel und Souvinierspender...


Tag 4: Fifty Miles - powered by Diesel®

Montag, 24.08.2020

Es war unwahrscheinlich still. Kein Wind, kein Geräusch. Es schien, als hätte sich im Laufe der Nacht ein trister dumpfer Mantel über den sternenklaren Himmel gelegt. Die farbenfrohe Bucht von gestern zeigt sich grau in grau und pünktlich zum Anker holen, fängt es an zu nieseln. Das Wasser ist spiegelglatt, von gestriger Welle und Böen ist nichts mehr zu spüren. Segeln fällt heute aus wegen is nicht! Also Motor an und Kurs Richtung Kolding. Das Wetter erholte sich, es wurde schnell trocken und die Mittagssonne schaffte es dann schließlich doch, sich ein Loch in die Wolkendecke zu brennen. Motoren ist zwar nicht die schönste Form des Vorankommens, hat aber den Vorteil, dass man den direkten Kurs fahren kann und die Zeit auch unter Deck nutzen kann, was bei Wind und Welle nicht möglich bzw. nicht empfehlenswert ist. Der elektronische Autopilot übernahm das Steuern und wir nutzen die Zeit sinnvoll aus. Timo setzt sich weiter mit seinem Angelequipment auseinander und ich nutze die Zeit fürs Home-Office und schreibe gerade diese Zeilen.

Währenddessen duftet es aus der Küche nach leckerem Brot, welches in 10 Minuten fertig sein wird. Als Mittagssnack gab es Matjesfilets mit hauchdünnen Zwiebelringen auf ofenfrischem Schwarzbrot. Im Snævringen, zwischen Kolding und Frederica, passieren wir zwei große Brücken. Hier herrscht eine unwahrscheinliche Oberflächenströmung, trotz mehr Drehzahl hat sich unsere Geschwindigkeit auf 2 Knoten halbiert. Zudem müssen wir ununterbrochen gegen den seitlichen Versatz gegensteuern. Die Durchfahrt wurde zur Tortour, die Strömung war so heftig, dass wir mit den kurz vorher hochgezogenen Segeln mit 1,5 Knoten rückwärts fuhren. Also Motor wieder an und durch. Die letzten zwei Stunden hatten wir guten Wind von der Seite, ließen aber den Motor mitlaufen und machten mit 6 Knoten richtig Strecke auf der Zielgeraden. Wir wollten noch vor dem Sonnenuntergang die Bucht von Juelsminde erreichen. Um 18.50 Uhr kam die Abendsonne unter den dunklen Wolken hervor und entschädigte mit wohltuender Wärme für den langen, kalten und anstrengenden Tag. Um 20.15 Uhr hatten wir die Bucht erreicht und ließen den Anker auf Grund. Für heute langt es dann auch! Den obligatorischen Anlegeschluck Rum habe ich fairer Weise meinem Motor ins Kühlwasser gekippt, nach über 12 Stunden Dauerbetrieb hatte er sich ihn mehr als verdient ;-)



Logbuchzentrale im Home-Office. Bislang hatten wir überall super Internetverbindung.



Eigentlich wollten wir immer Sonnstags backen, das haben wir heute nachgeholt.



Die Abendsonne perfekt ausgenutzt. Nach 30 Minuten war sie leider auch schon wieder verschwunden.


Tag 5: Die Ruhe vor dem Sturm

Dienstag, 25.08.2020

10°. Nein, nicht der anvisierte Kompasskurs für heute, sondern die Temperatur im Boot beim Aufwachen. Wir haben August und es ist arschkalt! Anstatt eines schönen Spätsommers haben wir uns offentsichtlich einen vorzeitigen Frühherbst eingefangen. Glücklicherweise kam ab 09.00 Uhr die Sonne raus und unter der Kuchenbude (dem Cockpitverdeck) wurde es langsam warm. Nach einem gepflegten Heißgetränk machten wir uns auf in die nahegelegene Marina, um Dieselkraftstoff zu bunkern. Der Tank hat nach dem gestrigen Tag ordentlich gelitten. Die Tankstation war frei und wir gingen längsseits an die Pier. Laut Tankanzeige müssten wir ca. 40 Liter nachtanken. Anlegen, tanken, ablegen, Segel hoch! Bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein ging es mit einem perfekten Halbwindkurs in Richtung Samsø. Scandinavian Summer - eine Wiedergutmachung für die letzen Tage. Um den Wind maximal zu nutzen, zogen wir den Booster ins Top. Mit angeln, chillen, schlemmen und Mittagsschläfchen - alles wärend der Fahrt, besser geht's nicht. Nach der Südost-Spitze der Insel Endelave änderten wir den Kurs, sodass der Wind nun direkt von achtern kam. Im Butterfly, mit ausgebäumtem Booster auf Backbord und dem Groß auf Steuerbord, kamen wir mit 4 Knoten gut voran.

Laut Wind- und Wetterbericht sollte es heute ab 20.00 Uhr richtig Regen geben und Wind in Böen bis 7 Beaufort, so dass wir zusehen mussten, dass wir rechtzeitig ankommen. Um 17.50 Uhr ließen wir nach 25,8 Seemeilen den Anker fallen. Gut geschützt von dem angesagten Unwetter haben wir in der großen Westbucht der Insel einen schönen und geeigneten Ankerplatz gefunden. Bei 2m Wassertiefe sollte der Bügelanker bei 12 Meter Kettenvorlauf und 15 Meter Ankerseil mehr als gut halten. Fast auf die Minute genau vorhergesagt, fing es an zu regnen und ordentlich zu schaukeln. Heftiges Prasseln auf Deck und Kuchenbude begleitete uns den ganzen Abend. Die große Wind- und Regen-Peitsche soll uns gegen 03.00 Uhr erreichen, sicherheitshalber habe ich gleich auf zwei Geräten den Ankeralarm aktiviert. Mit gebührendem Respekt aber entspannt geht es zum Schlafen in die Kojen...



Heute haben wir 41 Liter nachgetankt. Seit Abfahrt sind wir 27,6 Stunden motort, also ein Verbrauch von 1,5 Liter pro Stunde.



Während der Booster mit dem Topnant gehalten wird, sichere ich den Baum mit dem Niederholer nach unten.



Eine ganze Bucht für uns! Vor dem kleinen Steilufer liegen wir vor Samsø gut geschützt für die kommende Nacht.


Tag 6: Urlaub auf Paradise-Island

Mittwoch, 26.08.2020

Die Nacht war ruhiger als gedacht. Laut Windanzeiger war die heftigste Böe 26 Knoten, was wir im Schlaf aber gar nicht mitbekommen hatten. 06.30 Uhr, ein Blick auf den Windfinder verriet, wir müssen los! Timo aus der Koje geholt und noch an der Kette das Groß hochziehen lassen. Anker gehoben und beigedreht. Zusätzlich noch die Genua ausgebäumt und schon ging es mit achterlichem Wind Richtung Nordostspitze Samsø. Grund des fluchtartigen Startes war, dass wir bis 13.00 Uhr noch kräftigen achterlichen Wind aus Süden haben werden, der nachmittags komplett einschäft und um 180° auf Nord dreht. Daher zählt jede Seemeile, die wir noch unter Segel vorwärts kommen. Es war kalt, es war grau, es war ungemütlich. Timo hat sich noch mal schlafen gelegt, ich habe zum ersten Mal mein komplettes Segelzeug angezogen, mit Wollmütze und Schlauchschal. Heftige Rollbewegungen von achtern, alles schlackerte und knallte. Die Südspitze Samsøs achterlich im Kielwasser gelassen, war plötzlich das Gefühl, der Wind würde stehen. Der Seekartenplotter zeigte jedoch permanent über 4 Knoten Fahrt an. Der Grund: Wir gingen mit Wind und Welle und daher segelten wir mit guter Geschwindigkeit gefühlt im Vakuum. Mein gedachtes Ziel war die Buch von Ebeltoft. Das soll laut Hafenhandbuch eine schöne Stadt sein, liegt leider nur sehr tief in der Bucht, so dass wir morgen erstmal 5 Seemeilen wieder zurück segeln müssten, bevor wir weiter in Richtung Grenaa kommen. Ein Blick von Timo auf die Karte: "Was ist hiermit? Eine Insel mitten im Nichts! Lass uns doch einfach vor der Insel ankern, dann haben wir 10 Seemeilen gespart!" Gesagt-getan, Kurs geändert und auf in Richtung Insel Hjelm. So steuerten wir die Südseite der Insel an, da der Wind heute Abend auf Nord dreht und wir somit unter perfekter Landabdeckung liegen. Problem: Wir haben noch volle Kalotte Südwind und dementsprechend auch Welle aus gleicher Richtung. Somit mussten wir erstmal weitab der Insel den Anker werfen, denn mit Kette und Ankertauwerk kommen wir mehrere Schiffslängen in Richtung Land. Später müssen wir dann noch mal kurz verholen.

Bereits um 12.15 Uhr hatten wir unser Ziel erreicht und nach 22,3 Seemeilen den Anker geworfen. Das Wasser war unwahrscheinlich klar, ich konnte den Anker auf den Sandboden fallen sehen. Anfangs schaukelte es aufgrund der Wellen noch heftig, Timo bereute seine Entscheidung. 1,5 Stunden später plötzlich karibische Verhältnisse. Voller Sonnenschein und wenig Welle. Der Wind war vollkommen eingeschlafen. Wir ließen das Dingi zu Wasser, um die Insel zu erkunden und zu baden. Zurück an Bord gab es feinste Reggae-Musik und einen eisgekühlten MaiTai. Das Solarmudul brannte in der Sonne und holte trotz laufender Eiswürfelmaschine die verbrauchten 73 Amperestunden mehr als rein, so dass der Batteriemanager am Ende eine Kapazität von 105% anzeigte. Das war der erste richtige Tag Urlaub im Urlaub. Um 19.00 Uhr hatte der Wind komplett auf Nord gedreht und wir verholten den Anker auf ca. 30m vor dem Küstenstreifen. Sobald die Sonne weg war, wurde es ungemütlch. Wir machten Kuchenbude und Luken zu und bereiteten das Abendbrot vor. Auch diesen Abend ließen wir wieder im Schein der guten alten Petroliumlampe ausklingen...



Karibische Verhältnisse direkt in der Ostsee. Hjelm unter diesen Bedingungen ist mehr als ein Traum.



Traumhaft vor Anker! Bei einer gleichbleibenden Wasserteife von 3 Metern liegen wir gut und sicher. Mögen die Nordwinde kommen...



Heute war einfach mal Uraub im Urlaub! Dingi fahren, baden, entdecken, ein lecker MaiTai in der Abendsonne!


Tag 7: Zuckerbrot und Peitsche!

Donnerstag, 27.08.2020

Der karibische Traum von gestern verwandelte sich heute Nacht zur dänischen Hölle. Ab 22.00 Uhr kam heftig Wind auf und es fing an zu regnen. Um 04.10 Uhr ging der Ankeralarm. Bei 28 Knoten Wind und Starkregen tanzte die Rumtreiber am Ankerseil nur noch hin und her. Es war schwarz draußen, Gott sei Dank lagen wir direkt vor dem Leuchtturm, so dass wir uns am Leuchtfeuer orientieren konnten. Der Anker saß. Das Boot wurde bis 07.00 Uhr heftigst hin und her geschaukelt, der Regen prallte wie Stahlkugeln aufs Deck und der Wind sang laut seine Lieder im Rigg. An schlafen war da nicht zu denken. Auch heute soll der Wind ab nachmittags wieder einschlafen und dann drehen. Also mussten wir so los, dass es nicht mehr so stark regnet, aber wir den Wind noch nutzen können. Gerädert von der Nacht lösten wir um 09.50 Uhr im Regen den Anker und segelten mit Vollzeug in Richtung Untiefentonne. Es hörte nicht auf zu regnen, der Wind pendelte sich bei 16 Knoten ein und wir mussten mit 30° hart an den Wind, um wenigstens etwas in die gewünschte Richtung zu kommen. Um 11.00 Uhr standen 2 Meter Welle und der Wind direkt gegen uns, so dass wir den Motor einschalteten und gegenanbolzten.

Es wurde freundlicher, der Regen hörte auf und die Wellen wurden weniger. Um 14.00 Uhr meldete der fishfinder Fischschwärme unter uns. Da wir es nicht mehr weit hatten, machten wir den Motor aus und holten die Angel raus. Kurze Zeit später drehte der Wind und wir konnten mit der ausgebäumten Genua bei 2,5 Knoten Fahrt den Wobbler hinter uns her ziehen. Kurz vor Erreichen unserer Ankerbucht plötzlich ein Anbiss! Ein Hornhecht hatte es auf unseren Köder abgesehen und zugebissen. Wir haben ihn befreit und wieder ins Wasser zurückgeworfen. Heute ging es in die Bucht von Grenaa, nördlich des Industriehafens. Die Viermaster, so wie bei uns die Passat, sehen hier etwas anders aus. Kurz nachdem der Anker saß, schlief der Wind vollständig ein und wir hoffen auf eine ruhige Nacht. Heute haben wir 21,9 Seemeilen zurückgelegt, seit Ablegen in Travemünde sind es 235,8 Seemeilen. Morgen geht es mit einem langen Törn Richtung Aalborg Bugt, so dass wir heute nicht mehr alt werden...



Wir waren froh, als endlich der Regen aufhörte und es langsam wärmer wurde.



Dieser Hornhecht ist auf unseren Wobbler losgegangen. Wir haben ihn wieder ins Wasser zurückgelassen.



Krasser Gegensatz: Ein Schweinswal vor der Kulisse eines Industriemonsters!


Tag 8: It's Raining Men...

Freitag, 28.08.2020

...hallelujah! Heute haben wir die dänischen Weather Girls (und das G.I.Z) kennengelernt, dazu aber später mehr. Um 05.00 Uhr klingelte der Wecker. Heute wollen wir einen direkten Schlag über die Aalborg Bugt in den Limfjord machen, für die 40 Seemeilen werden wir gute 11 Stunden brauchen. Rein in den Segelanzug und als erstes den Anker hoch, alles andere können wir während der Fahrt erledigen! Es war stockedunkel und wir schalteten die Positionsleuchten an. Der Industriehafen von Grenaa strahlte von weitem wie ein gigantisches Lichtermeer. Voll aufgerüstet mit Segelanzug, Automatikweste und Kopflampe habe ich den Anker aus dem dunklen Strandsandboden gezogen und wir gingen kurz darauf unter Vollzeug mit einem sportlichen Halbwindkurs und 5 Knoten Fahrt direkt aus der Bucht. Kurz darauf passierten wir den alten Leuchtturm der Nordostspitze Grenaas. Um 06.10 Uhr ließ sich die Sonne kurz sehen, gegen die dunkelgrauen Wolken konnte sie sich leider nicht durchsetzen. Um 06.40 Uhr ließen wir die Angel mitlaufen. Um 07.00 Anbiss!!! Ein Petermännchen hatte es auf unseren Wobbler abgesehen. Petermännchen klingt erstmal süß, der Fisch zählt jedoch zu den giftigsten Lebewesen Europas. Auf der Ober- und Unterseite hat er gefährliche Giftstachel, die bei Berürung heftigste Symptome hervorrufen können. Aufgrund der zwei Giftblasen im Körper ist er auch nur bedingt verzehrbar. Daher warfen ihn lieber wieder ins Meer zurück. Bis 08.20 Uhr hatten wir nach und nach vier Stück davon am Wobbler. Den letzten an der Angel wollte Timo gerade greifen, als es - na ja, kurz gesagt zu einer Verkettung unglücklicher Umstände kam! Das Boot schaukelte, der Fisch zappelte und der Handschuh hatte abgeschnittene Zeigefinger- und Daumenspitzen... Kurz gefasst, ich habe um 08.32 Uhr im Gemeinsamen Giftinformationszentrum in Erfurt angerufen (die Dänen haben ein unfassbar gutes Internet- und Telefonnetz, wirklich überall!) und gefragt, was wir so bei einer Petermännchen-Vergiftung in Dänemark auf einem Segelbooot auf offener See und fernab jeder Küste denn so beherzigen sollten. Die Dame war sehr freundlich und informierte uns über alles, was es mit dem Petermännchen so auf sich hat. Schwerste Krankheitserscheinungen kommen, wie auch bei einem Wespenstich, nur bei allergischer Reaktion vor. Der Schmerzhöhepunkt tritt nach 30-60 Minuten ein. Im Endeffekt hatte Timo Glück, die Symptome waren schmerzhaft aber hielten sich in Grenzen. Leichte Kreislaufschwankungen, Schwellung, Rötung, Wund- und Gliederschmerzen zogen sich über den Tag, nahmen aber nach ein paar Stunden deutlich ab. Im schlimmsten Falle hätte ich über ’Lyngby Radio’ einen Funk-Notruf absetzen müssen, was uns glücklicherweise erspart geblieben ist.

Wir segelten auf eine schwarze Wand zu und bereiteten uns auf den offensichtlich bevorstehenden Regen vor. Um 13.40 Uhr machte Petrus den Hahn auf und kärcherte mit Sturm und Starkregen von achtern uns und das Boot. Der Wind änderte zudem die Richtung, so dass wir das Groß einholen und auf dem Vorschiff aus der ausgesteiften Genua den Baum nehmen mussten. Bei 2,5 Meter Welle ein heftiges auf und ab. Um 15.30 Uhr erreichten wir das Fahrwasser von Hals und steuerten mit achterlichem Wind in der Genua auf die Hafeneinfahrt zu. Der Regen ließ nicht nach begleitete uns fast bis zur ersten kleinen Marina im Limfjord, die wir nach insgesamt 45 Seemeilen schutzsuchend anliefen. Nachdem wir längsseits am Steg festgemacht hatten, kam das nächste Problem. Eigentlich wollte ich nur schnell mal Landstrom anschließen, aber irgendwo sponn die Elektrik zwischen dem Anschlusskasten und meinem Laderegler. Abwechselnd flog der FI-Schalter an Bord und der am Kasten raus, meine Umschaltstation blinkte dauerhaft, der Laderegler bekam kein Strom und das ganze Bordnetz war eingeschränkt. Ich habe alle Euro-Steckerverbindungen neu gemacht und unterschiedliche Verpolungen ausprobiert, bis nach 2,5 Stunden und diversen Telefonaten mit dem Elekro-Support-Langenhagen (Danke Klaus!) endlich alles wieder so funktionierte, wie es sein soll. Zum Abendbrot gab es einen lecker überbackenen Kartoffel-Gemüse-Auflauf aus dem Omnia und abends öffnete ich mein DJ-Programm und startete während des Programmierens der Homepage eine Unter-Deck-Disco mit den alten Smash-Hits aus unserer Jugend!





Heute morgen ein kurzer Auftritt der Sonne. Danach war sie bis zum Abend leider nicht mehr zu sehen...



Nicht zu unterschätzen: Petermännchen zählen lt. Wikipedia zu den gefährlichsten europäischen Gifttieren!



Riesige vorgelagerte Sandbänke in der Einfahrt zum Limfjord. Neben dem Fahrwasser hat sich offensichtlich ein Segler verirrt.


Tag 9: Stå i ærtesuppe

Samstag, 29.08.2020

Zum ersten mal auf dieser Reise haben wir in einer Marina übernachtet. Wir lagen längsseits am Steg und waren gut vertäut, trotzdem ließen die Windböen das Boot hin und her schaukeln. Der Morgen startete kalt und ungemütlich, wir schalteten die Heizung an. Bis nach Aalborg sind es nur noch 15 Seemeilen, so dass wir uns Zeit lassen konnten. Um gestärkt in den Tag zu kommen, starteten wir mit einem deftigen Bauernfrühstück. Wir nutzten noch mal alle Vorteile einer Marina: Landstrom, Müllentsorgung, Duschmöglichkeit und Frischwasser. Vor der Abfahrt um 13.40 Uhr leerte ich noch den Wassertank und füllte ihn mit Frischwasser vollständig auf. Wir hatten leichten Wind von der Seite und kamen unter Vollzeug mit knapp 3,5 Knoten entspannt voran. Um 15.00 Uhr fing es mal wieder an zu regnen, so dass wir die Kuchenbude als Cabrioverdeck zumachten. Um 17.00 Uhr kam der Wind nun direkt von vorne, da der Limfjord einen großen Bogen schlägt. Segel rein und Motor an. Um 17.00 Uhr erreichten wir den vorgelagerten Industriehafen von Aalborg. Ziemlich hässlich ist hier alles. Um in die Aalborg-Marina zu gelangen, mussten wir zwei Brücken passieren. Über Funk versuchte ich bezüglich der Öffnungszeiten den Brückenwärter zu erreichen. Der Brückenturm war nicht besetzt, in direkter Nähe konnten wir dann der Digitalanzeige entnehmen, dass die nächste Öffnung um 18.00 Uhr sein wird. So dümpelten wir noch 25 Minuten vor der Brücke rum und konnten diese und die zweite Brücke in einem Rutsch passieren. Im strömenden Regen versteht sich.

Wir steuerten die Marina an und fanden ganz hinten in der Ecke noch einen freien Platz, an den wir längsseits gehen konnten. Im nachhinein war mir klar, warum dieser Platz frei war aber das konnte man ja nicht ahnen. Durch den bestehenden Wind wurde Seegras in den Hafen gespült und in die hintere Ecke gedrückt. Timo stand auf der Bugsprit absprungbereit mit Tauwerk in der Hand und ich versuchte den Kahn an den Steg zu bekommen. Timo rief "noch zwei Meter!" aber ich kam keinen cm weiter. Selbst Vollgas brachte keine Fahrtbewegungen. Das Seegras war nicht nur an der Oberfläche sondern zog sich bis auf den Grund und hatte sich vollständig um die Schiffsschraube gewickelt. Wir standen in der Erbsensuppe und kamen nicht weiter. Timo ist nun ziemlich genau 300 Seemeilen mitgesegelt und zwei Meter vor dem Ziel kamen wir zum erliegen! Der Wind drückte uns letztendlich langsam an die Pier, so dass wir nach 3 Minuten dann doch noch das rettende Festland erreichten. Fest vertäut konnte ich mit vorwärts- und rückwärtsdrehen der Schraube das Seegras lösen und die Brühe nach hinten drücken. Zum Abendessen gab es selbstgemachtes Hamburger Seemannslabskaus mit Matjesfilets und Spiegeleier. Den Abend verbrachte ich nicht wie sonst, mit dem Schreiben dieser Texte, sondern mit weiteren 4 1/2 Stunden Fehlersuche in meiner Landstromelektrik. Um 00.45 Uhr lief dann endlich der Laderegler. Feierabend!

@ Klaus: Es war tatsächlich das im Boot verlaufende Kabel vom Ankerkasten bis zum FI-Schalter! Ich habe jetzt ein neues gelegt, welches geschützt in der Steuerbordtasche im Cockpit rauskommt!



Limfjordsbroen in Aalborg. Zum Glück mussten wir nicht allzulange warten.



Nichts geht mehr! Gegen diese Suppe kam mein Motor nicht gegenan!



Der Limfjord bei Nacht. Abends ließ der Wind komplett nach und es wurde ruhig auf dem Wasser.


Tag 10: Visiting Aalborg

Sonntag, 30.08.2020

Heute blieb das Boot einfach mal im Hafen liegen und wir freuten uns auf einen schönen Tag in Aalborg. Blauer Himmel, Sonnenschein! Wo gibt's denn sowas? Es war Sonntag und im Boot roch es wieder lecker nach frischgebackenem Brot. Im Cockpit genossen wir ein ausgiebiges Frühstück und machten uns anschließend auf den Weg in die Stadt. Timo wollte gerne einmal den Weg zum Bahnhof abgehen und sich mit den dortigen Gegebenheiten vertraut machen. Anschießend gingen wir in die Innenstadt und genossen im alten Klosterhof zwei frisch gezapfte Carlsberg in der Sonne. Auf dem Weg zum Hafen kamen wir noch an einer reudigen Altstadtspelunke vorbei und fanden dort endlich den Dänschen Sommer! Wie lange haben wir nach ihm gesucht. Wir konnten uns noch ein bisschen Zeit lassen, da der Zug von Christian 70 Minuten Verspätung hatte. So gönnten wir uns noch ein bisschen Sommer...

Gegen 20.00 Uhr kam Christian zum Boot und wir verbrachten den ersten und letzten Abend zu dritt. Timo fährt morgen früh mit dem Zug zurück. Im nahegelegenen Spar-Markt deckten wir uns noch mit reichlich Mineralwasserflaschen ein, während Christian zwei "Angekommen" Pacto Navio zu sich nahm, anschließend den Grill vorbereitete und die Eiswürfelmaschine schuften ließ. So gab es ein lecker BBQ als Abschluss einer tollen Reise für Timo und der Beginn eines Abenteuers für Christian. Abends ging es dann zeitig in die Kojen, denn für Morgen ist der Wecker auf 06.00 Uhr gestellt.



In Aalborg haben wir endlich den dänischen Sommer gefunden!



Gscheites Gedeckle! Liebe Grüße an Karin und Micha!!!



Crew-Wechsel in Aaalborg. Ein verrückter Abend inmitten einer verrückten Reise...


Tag 11: Good bye Danmark!

Montag, 31.08.2020

Der schläfrige Gang um 05.00 Uhr in Richtung Toilette führte zum schlagartigen Wachwerden und klitschnassen Socken. Die Verriegelung der Toilettenspühlung schien nicht richtig gesessen zu haben und das Seewasser hat sich ins Boot gedrückt. Teppich raus und mit einem großen Badelaken halbwegs das Wasser gebunden. Einiges ist zudem in die Bodenluke gelaufen. Nach und nach konnten wir mit einem Schwamm das restliche Wasser lenzen. Na ja, irgendwas ist immer! Um 06.30 Uhr lösten wir das Tauwerk und motorten langsam in Richtung Brücke. Um 06.50 Uhr öffnete die kleine Fußgängerbrücke und um 07.10 Uhr die Limfjorsbroen. Timo verabschiedete sich und sprang an der Kaimauer von Bord. Heute sind perfekte Segelbedingungen. Mit 4 Knoten Fahrt segelten wir fast bis Hals zurück. Wir mussten den Kurs ändern und der Wind kam nun direkt von vorne. Daher fuhren wir unter Maschinenfahrt aus dem Fahrwasser. Wenn ich überlege, unter welchen Bedingungen wir hier reingegangen sind, ist die Limfjordmündung bei strahlend blauem Himmel und Sonnenschein kaum wiederzuerkennen.

Der Wind kam aus Norden, leider genau die Richtung, in die wir wollen. Wir haben versucht aufzukreuzen, verlieren aber viel zu viel Höhe und kommen nicht annähernd ans gewünschte Ziel. Grob geplant war ein Schlag nach Skagen an die Nordspitze Dänemarks und dann über das Skagerrag nach Osten in Richtung Schweden. In zwei Tagen soll der Wind auf Ost drehen, was bedeuten würde, dass wir bei Nordwind nach Norden müssen und dann bei Ostwind nach Osten! Daher haben wir kurzerhand den Spieß umgedreht und segeln nun bei Nordwind nach Osten und dann bei Ostwind nach Norden! Somit wären wir morgen früh bereits in den schwedischen Westschären und würden von dort nach Norden gehen. Zum Wochenende soll kräftiger Südwind kommen, der uns wie mit einem Fahrstuhl mit nach oben nehmen würde.

Seit 14.00 Uhr lag die Rumtreiber nun auf der Steuerbordseite und galloppierte mit durchschnittlich 4 Knoten bei 40º am Wind durch die Wellen. Das Wetter war unfassbar, blauer Himmel und Sonnenschein, ohne eine Wolke. Den Nachmittag verbrachte ich liegend im Cockpit, der Autopilot übernahm das Steuern und Christian schlief in der Koje. Bis in den Sonnenuntergang um 20.13 Uhr schien die Sonne von achtern ins Cockpit und auf's Solarmodul. Zum Abendessen, querab Höhe Læsø gab es Spargel mit Kartoffeln, Schinken und Sauce Hollondaise. Es wurde dunkel und der Mond ging auf. Rund und hell kam er hervor und begleitete uns wie ein riesiger Scheinwerfer durch die dunkle Nacht. Es war trocken und milde. Die Wellen sind deutlich höher geworden, teilweise stampft es gewaltig, aber die alte Dame lässt sich einfach nicht aufhalten. Die Aries hat das Steuern übernommen und macht einen super Job. Der Wind ist auf fast 16 Knoten angestiegen, wir machen immer mehr Fahrt durch die sternenklare Nacht. Mehr geht nicht! Im Schutze der Sprayhood ist es gut auszuhalten. Gegen 00.00 Uhr erreichten wir langsam die Hauptverkehrsader zwischen Dänemark und Schweden. Hier war ordentlich was los, ein Frachter hinter dem anderen und das in beide Richtungen. Heute haben wir insgesamt 63 Seemeilen gemacht, bis nach Schweden werden es dann nur noch 17 Seemeilen sein.



Nach 10 Tagen und mit 300 Seemeilen im Gepäck verabschieden wir Timo in Aalborg. Schön war's mit Dir :-)



Limfjordmündung die Zweite. Aus dem Wasser ragt nur der Mast, aus der Luft ist das ganze Boot zu erkennen.



Ein treuer Freund am heutigen Tag. Um 20.13 Uhr versinkt die Sonne hinterm Horizont.


Tag 12: Wir sind angekommen!!!

Dienstag, 01.09.2020

Es ist 01.00 Uhr und wir reiten weiter durch die Nacht. Von Steuerbord kommend beobachte ich schon seit langem das Colorline-Kreuzfahrtschiff, welches hell beleuchtet wie ein schwimmendes Hochhaus auf dem Weg in Richtung Oslofjord unterwegs ist. Über eine Stunde scheint es, wir seien auf Kollisionskurs, dann geht es mit reichlich Abstand sicher vor uns vorbei. Der Mond steht achterlich und ist so hell, als würde er mein Solarmodul laden wollen! Mittlerweile waren wir in schwedischen Hoheitsgewässern unterwegs - Good bye Danmark! Wir haben nicht damit gerechnet, dass wir so durch die Nacht fliegen und bereits in 3 Stunden die ersten vorgelagerten Inseln erreichen werden. Somit musste ich mich mitten in der Nacht mit dem schwedischen Seekartensatz auseinandersetzen und gucken, wo wir hin können. Unser maximaler Kurs hoch am Wind führt uns zur Insel Malö, die uns guten Schutz vor den nördlichen Winden bietet. Wir verlangsamen die Fahrt um Zeit zu gewinnen, da wir nicht nachts den Ankerplatz anlaufen wollen. Ab 05.00 Uhr kam eine leichte Morgenröte auf und das einheitliche Schwarz der Nacht teilte sich wieder in Landsilhouette und Himmel auf. Wir mussten an Malö ca. 2 Seemeilen vorbeisegeln, um dann nach einer Wende direkt auf die Bucht zu gelangen. Nur noch mit der Genua fuhren wir mit 2 Knoten langsam auf die Insel zu. Laut Seekarte und Kartenplotter ist die geschütze Bucht mit 2,90 Meter tief genug zum Ankern. Rein in die Bucht kamen wir nicht, denn kurz vor der Einfahrt betrug die Wassertiefe jedoch nur noch 1,90 Meter, so dass wir den Anker warfen und uns mit ca. 3 Schiffslängen zurückfallen ließen. Wir sind in den Schären angekommen! Um 06.20 Uhr wurde im Sonnenaufgang feierlich die schwedische Gastlandfahne in den Mast gezogen. Schnell noch das Online-Logbuch füttern und ab in den verdienten Schlaf.

Um 11.00 Uhr begann langsam wieder das Leben unter Deck. Das Wetter war grandios, strahlender Sonnenschein und wolkenloser Himmel. Wir gingen an Deck. Bei den Worten: "Heilige Scheiße!" ging Christian davon aus, dass ich von der faszinierenden Natur der schwedischen Schärenwelt einfach überwältigt bin. Ich jedoch guckte links und rechts ins Wasser und traute meinen Augen nicht. Riesige Unterwasserfelsen, die teilweise nur bis zu 80 cm unter der Oberfläche lagen. Überall. Und wir mittendrin! Mit dem Dingi begutachteten wir den Untergrund und stellten fest, dass wir hier zwar irgendwie reingekommen sind um den Anker zu werfen, aber nie wieder rauskommen werden, wenn wir ihn holen müssen! Überall riesige Steine. "Wenn das Boot nicht zum Anker kommt, dann muss der Anker eben zum Boot kommen!". Nach dem Motto: ´Versuch macht kluch´, habe ich ins Dingi tatsächlich Ankerkette und Anker ziehen können und mich vor die Rumtreiber gesetzt. Unter wilder Gestikulierung in Richtung Back- bzw. Steuerbord habe ich Christian auf dem mit Motorunterstützung laufenden Boot glücklicherweise schadenfrei aus dem Labyrinth lotsen können. In 3 Meter Tiefe warf in den Anker, die Rumtreiber lag am Ende der Kette sicher auf sieben Meter Wassertiefe. Alter Schwede, was für ein Einstieg!

Anschließend fuhren wir an Land und erkundeten die steinige Insel. Nachmittags hatte sich Besuch angekündigt und Christian ließ vorsorglich die Eiswürfelmaschine anlaufen. Unsere alten Freunde Reggae & MaiTai verbrachten mit uns den Nachmittag im sonnigen Cockpit. Anschließend war noch Aufklaren und eine Stunde Arbeitsdienst angesagt. Aus der Verschraubung der Bugsprit (der Tritt vorne am Boot) hat sich der Bolzen verabschiedet und musste ersetzt werden. Die Aries hat ein neues Steuerkettenglied bekommen, die Badeleiter musste nachgezogen werden und nebenbei hat Christian noch die Unterwasserseiten vom Pockenbefall befreit. An Bord gibt es wirklich IMMER was zu tun. Anschließend Abendessen, Spaghetti Bolognaise für Kurzentschlossene. Der Wind ist vollständig eingeschlafen. Kurz nach 20.00 Uhr ging die Sonne am Horizont unter und wir machten die Kuchenbude zu. Fotos auswerten, Logbuch schreiben und die Planung der morgigen Route beschäftigten uns noch bis in den späten Abend...


Der Mond begleitete uns fast die ganze Nacht und war uns als Suchscheinwerfer eine tolle Unterstützung.



Hier werden einem im wahrsten Sinne Steine in den Weg gelegt. Wir werden und dran gewöhnen müssen...



Wir sind angekommen! Die ersten kleinen Schären lassen schon einmal ahnen, was noch alles so kommen wird.


Tag 13: Mittendrin im Schären-Panorama

Mittwoch, 02.09.2020

Der Wind hatte gedreht. Gestern kam er noch von Nordwest, also genau von dort, wo wir hin müssen. In der Nacht wurde es still und wir lagen ruhig vor Anker. Entsprechend lange habe ich auch geschlafen... Seit heute früh kam der Wind mit 3-4 Beaufort von Nordost, was uns einen traumhaften Halbwindkurs bescherte. Noch an der Kette zog Christian um 08.30 Uhr das Groß ins Top und ich hob den Anker. Beidrehen, Genua raus und mit 5 Knoten Fahrt Richtung Norden. Irgendwie funktionierte unser AIS nicht, weder sahen wir andere Schiffe auf der Karte, noch sendeten wir unsere Position. Ich schloss den Laptop am Gerät an und ließ die Diagnose-Software laufen. Demnach sollte alles funktionieren, obwohl nichts ging! Wie auch immer, eine Stunde später waren plötzlich alle wieder da und der Vesselfinder hatte uns auch auf der Karte. Na bitte, geht doch! Ein direktes Ziel für heute hatten wir nicht, Hauptsache erstmal vorbei an Göteborg. Mit der ausgeprägten Topografie der Bucht werde ich mich erst auf unserer Rückreise detailliert auseinander setzen. Schweden scheint bei Petrus auch bessere Konditionen zu haben, als Dänemark. Wir hatten blauen Himmel, die Sonne schien und der Wind kam konstand aus Nordost. Der Laderegler vom Solarmodul hatte bereits mittags abgeriegelt, die Batterien waren randvoll. Um 12.00 Uhr kamen wir ins Reede-Feld vor Göteborg. Hier lagen insgesamt neun Frachter und zwei norwegische Kreuzfahrtschiffe vor Anker. Ob sie auf die Einfahrtserlaubnis in den Hafen warteten oder Coronaopfer waren, konnten wir nicht erkennen. An der Südwestspitze von Vinga Ungar änderten wir den Kurs auf Nord. Wir waren also am Fahrwasser Göteborgs vorbei und hatten mittags schon das Tagesziel erreicht. Spätestens um 18.00 Uhr wollten wir uns was zum Nächtigen suchen. Solange der Wind es noch zuließ, wollten wir daher noch ein paar Meilen in Richtung Norden machen.

Um 14.30 Uhr hatten wir uns ein schönes Ziel ausgesucht, welches wir direkt ansteuern konnten - Utkäften. Traumhaft gelegen und schützend vor den nordöstlichen Winden. Nachmittags zogen Wolken auf, große dunkle, mit ordentlich Wind. Mit über 6 Konten kamen wir unserm Ziel schneller entgegen, als gedacht. Um 16.30 Uhr waren wir an dem Punkt angekommen, an dem wir direkt gegen den Wind in unsere Bucht fahren mussten. Wir holen Genau und Groß ein und starteten den Motor. 17.30 Uhr erreichten wir nach 37 Seemeilen die Einfahrt der Bucht. Ein traumhaftes, eiszeitgeprägtes Panorama, wie wir es bislang nur aus den Büchern kannten! Schärenlandschaft par excelance! Knapp zehn Segelboote waren bereits vor uns hier angekommen. Teilweise lagen sie an Schärenankern direkt am Felsen, anderere ankerten mitten in der Bucht. Wir suchten einen Felsvorsprung aus, an dem bereits Ankerösen vorhanden sein sollten, jedoch drückte uns der Wind soweit seitlich, dass wir sicherheitshalber mitten in der Bucht "einfach nur ankerten!". Anker runter, fällt, sitzt, fest. Aufgeregt wie wir waren, konnten wir gar nicht schnell genug an Land kommen. Mit dem Dingi unter Paddeln - alle Segler saßen in der Abendsonne im Cockpit und es war sooo still hier, dass wir uns nicht trauten, den Außenborder zu benutzen - fuhren wir an die nahegelegene Felsenformation. Zum ersten Mal "echte Schären" unter den Füßen, kletterten wir die riesigen Felsen hoch. In der Abendsonne erstrahlte die Bucht. Wir fühlten uns in den Schären angekommen. Im Sonnenuntergang brutzelten wir mit Rolf Willy unser Abendessen auf dem mobilen Gasgrill im Cockpit. Später gab es noch Nachos mit Chili-Käse-Dip. Anschließend noch Home-Office und ab in die Koje!



Die Rumtreiber (ganz links) vorbei an Göteborg. Dieses Labyrinth ist auf dem Rückweg unsere Abschlussprüfung.



Das Solarmodul lädt mittags mit über 23A. Bisher hat uns die Sonne schon mehr als 20.000 Wattstunden geschenkt.



Angekommen in lang ersehnten Gefilden! Die alte Dame erstrahlt in der schwedischen Abendsonne.


Tag 14: Meile um Meile in Richtung Norden

Donnerstag, 03.09.2020

Die Nacht war milde und absolut still. Christian musste gegen 04.00 Uhr an Deck um das Dingi umzulegen. Wir hatten es an der Steuerbord-Mittelklampe befestigt, so dass es parallel zum Boot lag und das Paddel mit einem sanften "klock!" in regelmäßigen Abständen von außen an Christians Schlafkoje klopfte. Um 08.30 Uhr guckten wir nach der Windprognose für die kommenden Tage und waren uns schnell einig, sofort aufzubrechen. Noch in meinem Schlafanzug hob ich den Anker und wir verließen die Bucht. Erstmal los. Für alles andere haben wir noch den ganzen Tag Zeit. Wir hatten wieder Traumwetter. Es war absolut windstill und wir motorten aus dem engen Fahrwasser der Schäre. Heute mussten wir nochmal einen kräftigen Schlag nach Norden machen, bevor am Wochenende der Westwind-Hammer kommt und uns die letzten 100 Seemeilen bis zum nördichsten Punkt der Reise (Norwegen, wir kommen!!!) zur Tortour werden lässt. Es soll heute erstmal windstill bleiben. Abends soll Starkwind von West einsetzen, sodass Wind und Welle vom offenen Skagerrak kommen. Wir wollen dann bereits den größten Teil der Passage hinter uns haben und irgendwo geschützt liegen. Der Motor lief und die Sonne brannte gnadenlos von oben. Heute war chillen angesagt, der Autopilot steuerte das Boot und wir nutzten die Zeit an Bord. Vormittags saßen wir mit kurzer Hose und freiem Oberkörper auf dem Sonnendeck und zockten 10.000. Wir hatten durch die laufende Lichtmaschine und dem Solarpanel so viel Strom über, dass wir Gas sparten und im Thermomix kochten (spätestens jetzt verdreht der Hauptmann wieder die Augen ;-). Zum Mittag gab es grüne Bohnen mit Speck, Kartoffeln und Sauce Hollondaise. Gegen 14.00 Uhr zog sich der Himmel zu und das Einheitsgrau von West deuteten wir als Vorboten des angesagten Windes. Um 15.00 Uhr passierten wir die Spitze von Smögen. Von hier sind es noch 40 Seemeilen bis zum nördlichsten Punkt der Reise. Wir suchten eine Alternative zur Nachtfahrt und fanden auf der Karte einen perfekten Zwischenstopp. Bei einer Entfernung von 15 Meilen würden wir den Strömsund gegen 18.00 Uhr erreichen und dort geschützt die Nacht vebringen.

Um 18.10 Uhr erreichten wir die Nordspitze der Strömsundschäre und fuhren ins Fahrwasser ein. Ziemlich eng hier! Aber Karte und Plotter meinten, dass wir hier richtig waren. Ziemlich am Anfang des kleinen Sundes waren befestigte Steganlagen, an die wir bequem längsseits festmachen konnten. Einfacher als gedacht. Anschließend sind wir auf die Felsen geklettert und haben uns das ganze mal von oben angesehen. Heute hatten wir weitere 49,9 Seemeilen in Richtung Norden geschafft. Norwegen war jetzt nur noch ein Tagesschlag entfernt und wir waren gespannt, ob wir das am nächsten Tag hinbekommen werden. Sollte sich der Westwind einstellen wie angekündigt, wird das noch mal ein sportlicher Ritt. Für heute war auf jeden Fall erstmal Ruhe. ’Same procedure as every evening’: Abendbrot, Fotos sortieren, Homepage schreiben und Wetterkunde im Schein der guten alten Petroliumlampe, während draußen gerade die Welt unterging! Sturm und Regen peitschten durch den Sund, wir lagen gut vertäut und fest am Steg :-)



Um Strecke zu machen, verließen wir um 09.00 Uhr in der strahlenden Morgensonne die Bucht.



Mittem im Nichts: Strömsundeinfahrt und Ankerbucht. Hier scheinen sogar Menschen zu leben.



Die Felsen sind höher als der Mast der Rumtreiber. Von oben gucken wir auf den Verklicker!


Tag 15: Hilsener fra norge!

Freitag, 04.09.2020

Die Nacht war kurz. Kräftiger Westwind war gekommen und ließ das Großfall ununterbrochen gegen den Mast schlagen. Bei einem Takt von 180 beats per minute erinnerte ich mich das an legendäre Tracks aus Tiiieeenkens-Techno-Stübchen! (by the way: Liebe Grüße, auch an Captain Sharky ;-). Bis 06.00 Uhr quälten wir uns noch, dann war an Schlaf nicht mehr zu denken. Wir wollten dann um 07.00 Uhr aus dem Sund sein und zogen alles an, was wir hatten. An einer kleinen Ausbuchtung konnten wir drehen und aus der Nordseite wieder herausfahren. Noch im Schutze der Schäre zogen wir das Großsegel hoch, im zweiten Reff mit kleinster Segelfläche. Die Genua mussten wir nach wenigen Minuten auch auf 1/3 verkleinern, da der Wind von West einfach zu heftig war. Kaum waren wir an der Nordspitze Storös vorbei, ging der Ritt los. Binnen Minuten wurde uns ein Cocktail eingeschänkt, gegen den der MaiTai als alkoholfrei einzustufen ist. Wir haben ihn liebevoll "Harakiri" getauft und er bestand aus folgenden Zutaten: Windstärke 6, lange Wellen direkt von der schottischen Küste und 230 Meter Wassertiefe. Noch eine kleine Rumtreiber oben drauf und alles einmal kräftig schütteln! Als Garnitur gab es wenigstens blauen Himmel und Sonnenschein.

Der Wind pendelte sich bei 22 Knoten ein. Die Wellen waren ca. 3 Meter hoch aber unwahrscheinlich lang. Diese Wellen hatte ich das letzte mal auf der Atlantiküberquerung, bei uns in der Ostsee gibt sie es in dieser Form nicht. Dort ist die Welle kurz und hackig, bei Windstärke 6 durchaus aggressiv. Hier aber war's ganz anders. Boot und Welle arrangierten sich, mal war der eine oben, mal der andere. Oben auf den Wellenkämmen konnte man für einen kurzen Moment erhaben über die weite raue See blicken. Unten im Wellental standen die weißen Schaumkronen mit dem Steuermann im Cockpit teilweise auf Augehöhe. Wir in unser kleinen Nussschale gegen die unwahrscheinliche Kraft des Meeres - Respektvolle Begegnung mit einem Riesen, der einem aber nichts Böses will. Das mag jetzt albern klingen, aber da draußen denkt man ganz anders über vermeintliche Sorgen und Nöte des Alltags nach und sortiert sich neu.

Nach viereinhalb Stunden erreichten wir die Inselgruppe von Koster und es wurde ruhiger. Geschützt vor der westlichen Welle ging es ein wenig normaler weiter. Gegen 13.00 Uhr erreichten wir den Säckenfjorden, in dem die schwedisch-norwegische Grenze verläuft. Die Küstenlinie an Backbord ist bereits Norwegen, wir fuhren noch auf der schwedischen Seite. Im Ringdalsfjorden bogen wir nach Norden ab und befanden uns nun offiziell in norwegischen Hoheitsgewässern. In einer nahegelegenen Ankerbucht fanden wir eine freie Mooringboje und machten daran fest. Feierlich wurde die schwedische Gastlandflagge abgenommen und die Norwegische gehisst! Nach genau 14 Tagen und 513,3 Seemeilen hat die Rumtreiber den nördlichsten Punkt unser Reise erreicht: 59°05.795'N - 11°13.123'E. Für Jörg haben wir auf Wunsch noch ein Bild von der Currywurstsauße gemacht, extra mit Aufkleber! Anschießend ließen wir das Dingi zu Wasser, erkundeten die Bucht und die Umgebung. Abends gab es einen Konter-Cocktail und die nördlichste Currywurst ever... Vielen Dank, mein Lieber!!!



Das Skagerrak bei Windstärke 6. Der Horizont wechselt ständig, manchmal ist er auch direkt neben uns.



Ein bisschen mehr Backbord und wir sind in Norwegen. Die Grenze verläuft ziemlich mittig.



Gastlandflagge hissen! Für mich als virtel Norweger väterlicherseits eine besondere Ehre.


Tag 16: Ab jetzt: reisen statt rasen

Samstag, 05.09.2020

Für die Strecke von Göteborg nach Norwegen brauchten wir auf dem Hinweg nur zweieinhalb Tage. Für den gleichen Weg zurück, kreuz und quer durch das Labyrinth des westschwedischen Schärengartens, haben wir ca. 18 Tage Zeit. Wir müssen also weggkommen von dem unaufhaltsamen Strecke machen und langsam in den ´Urlaubsmodus´ umsteigen. Kurze Strecken, idyllische Passagen, tolle Buchten. Viel Ankern, erkunden und entschleunigen - sich mal Zeit nehmen! Nach den wochelangen intensiven Vorbereitungen und dem 500 Meilen-Ritt für mich vielleicht die größte Herausforderung dieser Reise.

In unserer geschützten Bucht lagen wir ruhig und sicher. 09.00 Uhr wollten wir los und bereiteten uns entsprechend vor. Ein Blick um die Ecke verriet, dass Wind und Welle direkt von vorne kommen und wir ordentlich aufkreuzen müssen, um hier wieder raus zu kommmen. Da auch für heute eine konstante Windstärke 6 angesagt war, zogen wir wieder das Groß im zweiten Reff hoch und die Genua auf 50%. Leine aus der Mooringöse und los. Kaum raus aus dem Schutz der Abdeckung legte sich die Rumtreiber ordentlich auf die Seite. Mit insgesamt 13 Schlägen kamen wir aus der kleinen Bucht und waren wieder im großen Fjord, den wir gestern mit achterlichem Wind hochgekommen waren. Wind und Welle waren gleich, unsere Richtung aber um 180° gedreht, so dass es volles Rohr gegenan ging. Das Ziel des heutigen Tages war Strömstad, etwa 13 Meilen von unserem Ankerplatz entfernt. Das Wetter war halbwegs gut, der Wind dafür aber eiskalt. Die 13 Meilen hatten wir bereits nach 3 Stunden hinter uns, nur waren wir immernoch mitten im Säckenfjorden und ein Ende war noch nicht absehbar. Durch das ununterbrochne Kreuzen machten wir zwar ordentlich Strecke, aber kaum Höhe. Wieder einmal pedelte sich der Wind bei 22 Knoten ein. Scheuerleiste und Fenster lagen in den Wellen, Cockpitdusche inklusive. Etwas Seewasser drückte durch eine Fensterdichtung ins Boot. In der breiter werdenden Fjordmündung bauten sich immer größere Wellen auf. Kurz vor dem Skagerrak fuhr Norwegen mit einem Bollwerk aus Wind und Welle direkt von vorne noch mal alles auf, um uns nicht gehen zu lassen. Draußen lauerte bereits der Barkeeper auf seine letzte Zutat. Aber nicht mit uns! Heute bogen wir nach links in den Långörämman ab, ein kleiner geschützter Fjord, parallel zur offenen See.

Auf Schlag keine Welle mehr, leicht gedämpfter Wind und der Kurs nicht mehr am Maximum von 30°. Wir waren Goliath entwischt, durch das Tor zum Schärengarten. Idyllisch gelegene Häuser und sattes Grün charakterisierten diese Region. Dann ging es ziemlich schnell nach Strömstad. Einmal die Woche wollen wir in eine Marina gehen, um Müll zu entsorgen, Frischwasser auffüllen, ggf. Diesel bunkern, die Vorzüge von sanitären Anlagen zu nutzen und etwas von den Städten sehen. Wir haben uns für die Stadtmarina entschieden und gingen um 13.50 Uhr längsseits an die Gästepier, gut geschützt im Windschatten eines großen Restaurantschiffs. Die Hafengebühr haben wir online per Kreditkarte bezahlt. Nach einer kleinen Stärkung und einer heißen Dusche gingen wir in die Stadt und erkundeten die Gegend. Den Abend verbrachten wir an Bord, Christian wertete am Laptop die Bilder des heutigen Tages aus und ich schrieb diese Zeilen.

PS: An dieser Stelle ein Dankeschön für die vielen persönlichen Beiträge im Gästebuch. Ich hoffe, ich kann Euch weiterhin mit interessanten Geschichten und Bildern bei Laune halten. Jetzt geht Schweden ja erst so richtig los...



Die dauerhafte Schräglage führte zu einer Katastrophe: Ein Molinari-Glas ist zu Bruch gegangen!



Die Salonfenster wurden beim Aufkreuzen zum Aquarium. Einfahrt Långörämman sowie Bahnhof und Rathaus von Strömstad.



Ein Platz an der Sonne! Harte Arbeit in Skipper's Büro, pro Tag gehen gut zweieinhalb Stunden für die Homepage drauf.


Tag 17: Kürzer treten für Anfänger

Sonntag, 06.09.2020

Heute hatten wir uns vorgenommen, das mit dem Urlaubmachen mal auszuprobieren. Die Texte werden hier jetzt kürzer, denn einiges brauche ich ja auch gar nicht mehr schreiben. Der treue Leser weiß natürlich schon vor dem Lesen, dass es heute Morgen wieder nach frisch gebackenem Brot duftete. Es ist ja schließlich Sonntag ;-). Es gab ein deftiges Frühstück mit Spiegeleiern, Speck und allem, was der Kühlschrank noch so her gab. Kurz vor Mittag haben wir den Wassertank leergepumpt und mit Frischwasser befüllt. Um 13.00 Uhr lösten wir das Tauwerk und motorten Richtung Ausfahrt. Das heutige Ziel war die Insel Koster, an der wir bereits am Freitag vorbeigesegelt waren. Hier gibt es eine tolle Bucht, die uns vor westlichen Winden schützt und nur 7 Seelmeilen entfert ist. Die Navigation durch die Schärenstraßen war für uns neu und erforderte unwahrscheinliche Konzentration. Während Christian mit dem Bleistift unsere Route in Echtzeit in die Karte mitzeichnete -damit wir überhaupt wussten wo wir eigentlich waren- steuerte ich das Boot nach den tatsächlichen Gegebenheiten. Nebenbei liefen drei digitale Kartenplotter, mit denen wir alles zusammen abglichen und hofften, dass wir hier richtig waren. Der Wind kam direkt von vorne, so dass wir knapp eine Stunde motorten, bis wir aus dem engen Schärenwasser raus waren. Himmel wieder einmal strahlendblau mit Sonnenschein. Um 14.00 Uhr änderten wir den Kurs und zogen die Genua raus. Bei 15 Knoten Wind und 60° machten wir entspannte 3,5 Knoten Fahrt. Die See hatte sich beruhigt und wir hatten kaum noch Welle. Einfach nur tolles Segelwetter. Bereits um 15.00 Uhr machten wir eine Wende und kamen unter Segel direkt in die Bucht. Unter Motor tasteten wir uns die letzen Meter auf 3,50 Meter Wassertiefe und warfen den Anker.

Wir ließen das Dingi zu Wasser und brachten zum ersten Mal einen Heckanker aus. Dieser sollte verhindern, dass wir auf das nahe gelegene Flach schwojten. Am Strand zogen wir das Dingi aus dem Wasser und machten einen ausführlichen Spaziergang bis zum Fähranlieger der Insel. Hier kommt im Zwei-Stunden-Takt die Katamaranfähre von Strömstad und bringt, bzw. holt die Inselgäste. Gegen 18.00 Uhr saßen wir im trocknen Cockpit, während steuerbords die Welt unterging. Es gab ein fettes Gewitter, welches mit Blitz und Donner in sicherer Entfernung von uns vorbeizog. Zum Abendessen gab es gegrillte Maiskolben mit Kräuterbutter und Sourcream. Unter Deck startete abends die große Schlagerparade und wir zockten 10.000 bis in die Puppen. Morgen geht es tief in den Schärengarten, da der Wind bereits in der Nacht auf Windstärke 8 ansteigen soll. Auf der Karte haben wir schon einmal geguckt, wo wir uns vergraben können. Mal sehen, wie es vor Ort dann tatsächlich aussieht.



Das Dingi ziehen wir an Christians Eigenkonstruktion mit dem Großfall über die Reling und lassen es bequem ins Wasser und holen es auf gleichem Wege zurück.



In der Bucht von Koster lagen wir für diese Nacht wie in Abrahams Schoß. Der Westwind konnte uns hier nichts anhaben.



Das Gewitter und der Regen gingen komplett an uns vorbei, während wir gemütlich draußen im Cockpit saßen.


Tag 18: Im Schutze der Schäre

Montag, 07.09.2020

Die Nacht war unwahrschenlich ruhig. Der sternenklare Nachthimmel verwandelte sich nach dem Sonnenaufgang wieder in ein strahlendes Blau und die Sonne brachte die erste Morgenwärme. Keine Welle, keine Geräusche. Das Dingi hatten wir außer Bord gelassen. Christian paddelte früh an Land und probierte am Strand noch verschiedene GoPro-Aufnahmen aus. Unter Wasser war ordentlich was los. Krebse, Langusten und so komische durchsichtige Fische waren auf 20cm Wassertiefe ordentlich aktiv. Und dann machte es platsch! Christian saß bis zum Bauchnabel im Wasser, denn er war auf einem glibschigen Unterwasserfelsen ausgerutscht. Zum Glück hatte die Spiegelreflexkamera nur ein bisschen Spritzwasser abbekommmen. Klitschnass kam er zurück zum Boot und musste erstmal die Kleidung wechseln.

Wir mussten los. Ab heute Nachmittag ist Starkwind angekündigt, der bis Mittwoch anhalten soll. Um 10.30 Uhr zogen wir erst den Buganker aus dem Wasser und anschießend den Heckanker. Dieser saß so fest, dass wir ihn senkrecht aus dem Wasser winschen mussten. In der Bucht war es windstill, so dass wir in Richtung Südspitze motorten. Das Dingi zogen wir am langen Tauwerk hinterher. Nach der Landabdeckung kam leichter Wind von 60° Steuerbord, so dass wir unter Vollzeug an Backbord mit der gleichen Geschwindigkeit wie unter Motor vorankamen. Trotz der strahlenden Mittagssonne war der Wind eisig kalt und die kurze Hose musste einer langen Thermohose weichen. Nach und nach nahm der Wind zu und wir kamen mit 3,5 Knoten Fahrt um 13.00 Uhr in die Einfahrt zum Bisserännan, unser Weg ins Schäreninnere. Die Navigation hier ist für uns noch unwahrscheinlich anstrengend. Die unzähligen Inseln, Felsen, Untiefen, Fahrwassertonnen, Leuchttürme, Landmarken und mit Farbe auf Felsen aufgemalte Richtzeichen hielten uns dauerhaft auf Anspannung. Bis zu unserem Nachtlager waren es nicht mal 4 Seemeilen, als wir dort ankamen, waren wir fix und fertig! Wir hatten uns die geschütze Bucht von Havsten-Ost ausgesucht. Da morgen Sturm von West kommen soll, liegen wir hier geschützt vor einer 40m Wand direkt im Windschatten. Es sollen mehrere Ringe im Felsen verankert sein, die wir nutzen könnten.

Um 13.50 Uhr erreichten wir unter Segel das Nadelör von Rattön. Direkt dahinter lag unsere Bucht. Nun kam der Wind von vorne und wir motorten die letzten Meter bis zur Felsenwand. Auf der ersten Kontrollfahrt guckten wir uns die Gegebenheiten an und entschieden uns dann für zwei Ringe, an denen wir längsseites festmachen wollten. Gesagt-getan! Zum ersten mal lag die Rumtreiber direkt an einer Schäre. Während der Vertäuung wurde der Wind deutlich stärker. Wir waren also keine Minute zu früh hier. Mit hin und her lagen wir dann um 14.30 Uhr fest und geschützt am Gestein. Auf Steuerbord hatten wir eine Felsenkante, an der der Rumpf scheuern würde. Mit vier Fendern und zum ersten mal mit Fenderbrett (Dank an Timo für die sibirische Lärche!) schafften wir genug Pufferzone zwischen Bordwand und Stein. Anschließend fuhren wir mit dem Dingi noch an den Strand und erkundeten die Bucht. Zurück an Bord haben wir uns erstmal einen Festmacher-Rum gegönnt und hauten uns anschließend für zwei Stunden in die Koje. Wir waren echt gerädert! Der Wind kam aus Süd und mit Böen bis 28 Knoten leider noch direkt von vorne, denn der Westwind soll morgen erst einsetzen. Somit stand jetzt schon fest, dass die Nacht ziemlich knusprig werden wird. Sicherheitshalber haben wir vor dem Dunkelwerden ein weiteres Tauwerk über die Mittelklampe backbordseits ausgebracht und entlasten somit die Vorderleine. Außenborder und Dingi hatten wir sicherheitshalber an Bord geholt, da Wind und Schwell weiter zunahmen. Es war 22.10 Uhr und die Böen peitschen jetzt Regen auf Deck und Kuchenbude und forderten uns und das Festmachtertauwerk ununterbrochen. Wir machten gegen Mitternacht die Schotten dicht und waren gespannt, was die Nacht so noch alles mit sich bringen wird.



Mit Seekarte, aktuellem Törnführer und einem Buch, speziell für Natürhäfen und Ankerplätze, wählen wir geeignete Ziele aus.



Ab nachmittags kommt ordentlich Wind in die Büx. Morgen werden wir bei Westwind eingeweht sein und sollten daher gut geschützt liegen!



Zum ersten Mal am Felsen! Dieser 40 Meter Koloss schützt uns an Bug- und Heckleine optimal vor dem kommenden Sturm.


Tag 19: Abwettern

Dienstag, 08.09.2020

Was für eine Nacht. Bis kurz vor 02.00 Uhr haben wir zusammengesessen und geknobelt, da an Schlaf noch nicht zu denken war. Oben tobten Wind & Regen und ließen das Boot tanzen, unter uns blubberte, rauschte und gluckerte es ununterbrochen. Es war ein wenig paradox, denn diese Geräusche gibt es nur, wenn das Boot ordentlich Fahrt macht und entsprechend Wasser verdrängt. Hier war es andersrum, wir waren fest und das Wasser rauschte unter uns durch. Wir lagen auf 10 Meter Wassertiefe und der Schwell zog mit 3 Knoten am Log an uns vorbei und unter uns durch. Nach wie vor hatte uns der Südwind fest in der Hand.

Gegen 08.00 Uhr wachten wir auf, der Wind hatte tatsächlich gedreht. Wir lagen nun im Windschatten unseres Felskolosses und es war ruhig und leise. Was für ein Unterschied. An den Wolken über unserer Schutzwand war deutlich zu erkennen, dass es von West anständig pfeiffen musste. Da wir heute hier abwetterten, nutzen wir nach dem Frühstück die Zeit und planten die nächsten Stationen bis zum Wochenende durch. Die einzelnen Schläge sind eher kurz und sollen landschaftlich das Reizvollste sein, was die Westschären zu bieten haben. Morgen machen wir hier wieder los und es soll in die Ankerbucht von Stora Klövskär gehen. Donnerstag wollen wir durch den Hamburgsund in den Naturhafen Dannemark. Freitag geht es durch den Sotekanalen nach Smögen, wo wir bis Sonntag bleiben wollen. Christian ist jetzt den zehnten Tag an Bord und wir hatten jeden Tag Sonne. Hoffentlich hält der ´Langenhagener Sommer´ noch weiter an!

Heute hatten wir das gemacht, was mein Sohn pauschal auf jegliche Form einer Konservation antwortet: "Chill mal!" Also verbrachten wir den Tag mit kochen, knobeln, schlafen, erfolglosem angeln, Logbuch schreiben, Törnführer studieren und chillen. Mittags kam die Sonne rum und spendierte noch ein paar Amperestunden für die Batterien. Heute war Dienstag und bei einer Portion Krähenwinkler Currywurst sendeten wir einen lieben Gruß an die "Gerüchteküche", die heute im Dorfgemeinschaftshaus beim Schnitzelessen zusammensaß. Guten Hunger Jungs, haut rein und lasst es Euch schmecken :-) Abends dehte der Wind wieder leicht auf Südwest und zeigte deutlich, dass er noch da war. Es wurde etwas unruhiger an Bord, aber nichts im Vergleich zu gestern.



In der Nacht ließen Wind und Welle die Steinspitze gut an unserem Fenderbrett nagen. Ohne Zwischenpuffer wäre mein Rumpf längst durchgescheuert.



Unser Wochenplan. Katjes nach rechts: Bereits festgelegtes Ziel. Katjes nach links: Im jeweiligen Kartenausschnitt noch einen geeigneten Platz suchen.



Heute hatten wir nur einen Seestern an der Angel. Als wir ihn wieder zurückwarfen, hatte ihn sich leider eine Möwe geschnappt.


Tag 20: Ziemlich harakirisch!

Mittwoch, 09.09.2020

Bis Mitternacht kam noch die eine oder andere Böe um die Ecke, dann wurde es ruhig. Um 06.30 Uhr kam Regen und ordnete offiziell Umdrehen und Weiterschlafen an. Laut Regenradar sollte es ab 10.00 Uhr freundlicher werden und ab 12.00 Uhr sollte sogar die Sonne kommen. Momentan nicht gerade vorstellbar. Die tolle Umgebung von gestern zeigte sich trist in einem verregneten Einheitsgrau, unser Weg raus aus der Bucht verlief sich irgendwo im Nebel. In dieser ungemütlichen Umgebung musste etwas Warmes her und zum Frühstück gab es selbstgemachtes Pizzabrot und eine Extra-Portion Standheizung.

Um 11.00 Uhr starteten wir den Motor und machten uns bereit zum Ablegen. Der Regen hatte aufgehört und es wurde freundlicher. Zuerst lösten wir das hintere Tauwerk, da auf diesem keine Spannung saß. Anschließend zogen wir die Vorderleine durch das Ringauge und holten es ein. Mit dem Radeffekt nach Backbord zog ich das Boot im Rückwärtsgang vom Felsen ab und Christian ließ das Mitteltauwerk durch den Felsenring rauschen. Alles zurück an Bord geholt und los ging die Fahrt. Mit der Genua kamen wir an der Kreuz bis zum Nadelör Havstenssund. Es war 12.00 Uhr und wie angekündigt kam die Sonne raus. Ab der Engpassage kam der Wind nun direkt von vorne und wir motorten gegen an. Bis zum Leuchtturm am Ende des Sundes waren es knapp 2 Seemeilen. Mit jedem Meter Fahrt nach vorne baute sich mehr und mehr Welle auf. Bei 25 Knoten Wind waren das in der Skagerrakmündung gute 2,5 Meter. Kurz vor dem Nordkardinal mussten wir Backbord abfallen und konnten endlich das Segel hochziehen. Das hin- und her Schaukeln hatte wenigsten ein Ende und wir kamen mit der Genua gerefft auf 70% in eine stabilen Seitenlage nach Backbord weiter voran. Die Untiefen waren bei diesem Seegang von weiten zu erkennen. Meterhoch schlug die Gischt aus dem Wasser, wenn die Brecher auf die flachen Felsen trafen. Christian kümmerte sich um die Navigation und verpostete sich mit der Seekarte vor dem Kartenplotter. Wir mussten für knapp eine Stunde in den Cocktailshaker, bis wir zu den ersten Steinbänken kamen. Ab hier war die Welle komplett raus und wir kamen mit 22 Knoten Wind und 6 Knoten Fahrt bestens voran. Das letzte Stück vor unserem Ankerplatz ging es nochmal direkt mit Motor gegen an, dann bogen wir ab und fanden unsere Lagune für die Nacht. Um 13.50 Uhr fiel nach nur 9,6 Seemeilen der Anker und wir hatten wieder eine ganze Bucht für uns.

Mittlerweile hatten wir wolkenfreien Himmel und strahlende Sonne. Mit dem Dingi brachen wir noch achterliches Tauwerk aus und gingen damit durch eine feste Öse auf dem Felsen. Dafür nutzten wir die 50 Meter-Taue, die wir extra gekauft hatten. Dann ging es an Land und wir kletterten einmal auf und um die ganze Schäre rum. Auf der Rückseite der Bucht lag das offene Skargerrak und die Brandung am Felsen war deutlich zu hören. Nachdem wir noch mal kurz an Bord waren, genossen wir den Nachmittag bei einer Ananas-Schorle und guter Musik auf der Dachterrasse der Schäre. Der Wind drehte und nahm deutlich zu. Wir holten das achterliche Tauwerk wieder ein, da wir mittlerweile seitlich im Wind lagen. Im Cockpit war kurzfristig Chaos angesagt, da alles an Tauwerk erst mal reingeworfen wurden und wir die Fender von heute Morgen auch noch nicht verstaut hatten. Abends gab es endlich mal wieder feinstes Seemannslabskaus mit Spiegelei und Matjes. Mittlerweile war es dunkel und der Wind kam noch kräftiger. Der Windmesser zeigte Böen in Spitze von 30 Knoten an. Die Rumtreiber flatterte wie eine Fahne im Wind und schwojte hin und her. Um 21.00 Uhr entschied ich mich, die Lage des Bootes zu ändern und einen Hanepot zu setzen. Dazu machten wir Deckstrahler und Motor an. Christian fuhr im Vorwärtsgang nach vorne und ich zog das Ankertauwerk ein, bis der große Schäkel der Ankerkette aus dem Wasser kam. Daran befestigte ich mit einem Palstek ein weiteres Ankertau. Wir ließen wieder gut 15 Meter Ankertau nach und zogen dann das zweite Tauwerk über die Winsch im Cockpit an. Das Boot legte sich somit seitlich. Wie ein Kite-Schirm, der im Wind steht und nicht wie eine Fahne, die im Wind weht. Zudem halbierte sich somit der Druck auf die Klampen. Durch die geschützte Lage der Bucht hatten wir zwar keine Welle, der Wind kam aber gnadenlos und machte keine Anstalten, weniger zu werden. Wir mussten für die Nacht eine Ankerwache einrichten, denn das hier war nicht ungefährlich. Wenn irgendwas zwischen Ankergrund und Festmacherklampe nicht halten sollte, liegen wir binnen Minuten auf den Felsen.



Christian guckte ununterbrochen Plotter-TV, verglich alles mit der Seekarte und navigierte uns durch die Schären.



Nachdem der Anker fest saß, erkundeten wir die Insel und kletterten von Felsen zu Felsen.



Wo kommmt denn das bitte alles her, und wo soll es wieder hin? Jetzt ist guter Rat teuer!


Tag 21: Hamburg(o), meine Perle!

Donnerstag, 10.09.2020

Die Nacht war unruhig. Der Tiefenalarm löste vier Mal aus, da wir ständig hin und her schwojten. Egal, der Anker hatte gehalten und das war ja auch die Hauptsache. Die erste Entschädigung für die vergangene Nacht war schon mal die Wetterprognose, die mit über 12 Stunden Sonne besser hätte nicht sein können. Dazu kam, dass uns der Westwind heute fast durch die gesamte Passage trug, so dass der Motor heute nicht viel zu leisten hatte. Als Topping kam dann noch die wundervolle Landschaft der Innenschären dazu. Um 09.00 Uhr starteten wir den Motor. Wir lagen auf Legerwall, sprich das Boot wurde durch den Wind von vorne auf das vorgelagerte Flach gedrückt. Wir hatten nicht all zu viel Spielraum beim Heben des Ankers, so dass wir es mit der Hau-Ruck-Methode erfolgreich lösten. Christian fuhr unter Maschinenkraft auf den liegenden Anker zu, ich zog das Tauwerk bzw. den Kettenvorlauf hoch. Als die Kette senkrecht im Wasser lag, verkeilte ich diese am Buggeschirr und Christian fuhr drüber hinweg. Der Anker hatte keine andere Wahl als sich vom Grund zu lösen und wir fuhren ohne zu stoppen direkt weiter in den sicheren 5 Meter Bereich. Anker gesichert und Segel raus. Der Wind kam mit Windstärke 5 nach wie vor aus West. Unsere Strecke verlief quer durch die Innenschären. Wir zogen lediglich die Genau raus, den ganzen Tag kamen wir entspannt mit 3 bis 3,5 Knoten Fahrt voran. Das Navigieren läuft mittlerweile super, wir nutzten die aufgemalten Richtzeichen auf den Felsen und folgten ausgeschilderten Wasserwegen.

Um 12.25 Uhr erreichten wir die Einfahrt in den Hamburgsund. Ein kleines idyllisches Fahrwasser um die Insel Hamburgo. Im Sommer muss hier die Hölle los sein, wir waren wie immer die Einzigen. Wirklich wunderschön hier! Gesehen hatte ich das hier alles bereits in duzenden Büchern. Wir näherten uns der Cable-Ferry, einer Stahlseilfähre, die den Sund kreuzt. Im Bereich von 250 Meter vor und nach der Fähre ist das Segeln verboten. Entsprechende Warnhinweise fanden wir vorab in der Seekarte und große Schilder am Rand wiesen zusätzlich drauf hin. Wir rollten die Genua ein und motorten das kurze Stück. Nachdem die Fähre vor uns das Ostufer erreicht hatte, fierte sie die Stahlseile auf den Grund, so dass wir passieren konnten. Segel wieder hoch und weiter ging die Fahrt. Kurz vor der Ausfahrt bogen wir in ein kleines Nebenfahrwasser ein. Hölzerne Wegweiser unterstützten in der Navigation. Der Seitenarm führte direkt zu unserem Ankerplatz für heute Nacht. Für Mitglieder des Schwedischen Segelclubs sind hier insgesamt fünf Mooringbojen ausgelegt, von denen wir eine für uns nutzten. Der heutige Trip war 14,2 Seemeilen lang und führte ausschließlich durch wunderschöne Natur.

Dingi und Außenborder raus und ab ging die Kletterei auf die hohen Schären. An einer weiteren Mooringboje machte ein Segelboot unter britischer Flagge fest. Auf dem Weg vom Strand kamen wir bei David and Cathren vorbei, die uns spontan auf ihre "I WONDER" einluden. Eine traumhafte 41 Fuß Hochseeyacht, mit allem was man sich nur vorstellen konnte. Im großen Centercockpit saßen wir beim Bierchen zusammen und bekamen tolle Tipps für unsere nächsten Zwischenstopps. Kurz vor Sonnenuntergang fuhren wir auf die Rumtreiber, zogen das Dingi wieder hoch und bereiteten das Abendessen vor. Anschließend aufklaren, Logbuch schreiben und ein bisschen Schlaf nachholen. Morgen geht es weiter nach Smögen...



Traumhaft gelegene Häuser im Hamburgsund. Wir hatten Glück, dass wir ohne zu warten die Cable-Ferry passieren konnten.



Dieser Wegweiser war weder in der Seekarte verzeichnet, noch auf dem Kartenplotter zu sehen. So einfach kann Navigation sein!



Zusammen mit der "I WONDER" teilten wir uns die Bucht von Dannemark. Unser Dingi parkten wir unten am Strand.


Tag 22: Kräftig Wind von vorn!

Freitag, 11.09.2020

Der Wind hatte deutlich zugenommen und auf Süd gedreht. Das sah man schon an unserer Position im Mooringfeld. Von den gestrigen drei Bedingungen für einen perfekten Segeltag war leider nur noch eine übergeblieben. Der Wind kam mit Windstärke 5 direkt aus der Richtung, in die wir mussten und die Sonne konnte sich kaum gegen das Einheitsgrau der Wolken durchsetzen. Blieb ja wenigstens noch die schöne Landschaft über. Der heutige Schlag nach Smögen waren nur 10 Seemeilen, so dass wir den Tag langsam angingen. Um 10.30 Uhr lösten wir das Tauwerk von der Mooringboje und zogen die Genua raus. Mit achterlichem Wind kamen wir aus der Bucht, bis sich unser Kurs auf Süd änderte und wir mit Motor gegenan bolzten. Es war zum heulen, der Wind kam mit 25° von vorne, was ein segeln unmöglich machte. Motoren war bei diesem Wind aber auch richtig nervig, da das Boot aufgrund der leicht seitlichen Welle dauerhaft hin und her geschaukelt wurde. Dreimal versuchten wir mit der Genua ein Stützsegel zu schaffen, aber die Wellenbewegungen ließen den Windstrom abreißen und ständig das Achterliek im Wind killen. Ab 12.00 Uhr wurde es besser, wir fuhren durch enge Schärenpassagen und die Welle war komplett weg. Der Wind kam jetzt mit 22 Knoten direkt von vorne. Der dauerhafte Windzug war für die Augen so unangenehm, dass wir die Sonnenbrillen als Windschutz trugen. Um 12.30 Uhr kamen wir in die Einfahrt in den Sotekanalen. In dem kleinen idyllischen Fahrwasser ist das Segeln verboten. Für uns ein kleiner Trost, hier hätten wir eh motoren müssen. Im Sommer schieben sich hier unzählige Boote durch, wir waren mal wieder die Einzigen hier.

Kurz nach der Einfahrt änderte sich schlagartig das gesamte Landschaftsbild. Es sah ein bisschen aus wie im Allgäu, saftige grüne Wiesen und grasende Weidekühe am Ufer. Auf halber Strecke des Kanals befindet sich eine Drehbrücke, die für Segelboote geöffnet werden muss. Über UKW-Channel 06 sprach ich den Brückenwärter an und bat um Öffnung der Brücke. "No problem, the bridge will be open, when you are there!" kam prompt als Antwort zurück und wir fuhren weiter auf die Brücke zu. Der Brückenwärter winkte noch freundlich beim Passieren der Engstelle und machte hinter uns die Durchfahrt wieder zu. 10 Minuten später funkte die ´I WONDER´ den Brückenwärter an. David und Cahtren waren hinter uns und zogen auf Höhe der Kanalausfahrt an uns vorbei. Auch sie nahmen den innenliegenden schmalen Wasserweg direkt nach Kungshamn und Smögen. Das machte für uns das Navigieren einfacher, da wir ihnen nur hinterher fahren brauchten. Um 14.10 Uhr passierten wir die 24 Meter hohe Brücke, die Smögen mit Kungshamn verbindet. Um 14.25 Uhr fuhren wir in den legendären Fischerhafen Smögen ein und machten längsseits hinter der I WONDER fest. Dieser Platz war aufgrund von Schwell und Wind so ungemütlich, dass wir nach 10 Minuten das Tauwerk wieder lösten und bis nach ganz hinten zum letzen Gästeliegeplatz des Hafens fuhren und dort festmachten. Hier lagen wir deutlich geschützter und spürbar ruhiger. Es ist Nachsaison und alles ist frei. Im Sommer herrscht hier Chaos. Abends gingen wir in einen urigen Bierpub direkt an der Pier und gönnten uns ein paar frisch gezapfte. Dann kam der Hunger durch und wir bastelten an Bord noch einen deftigen Nudelauflauf im Omnia. Morgen wollen wir Smögen mal genauer unter die Lupe nehmen.



Der dauerhafte Wind von vorne stresste die Augen und kühlte uns aus. Ein heißer Lumumba schaffte Abhilfe.



Christian hat sich ein eigenes Logbuch mitgebracht und notiert stündlich alle erforderlichen Daten inklusive der Schiffsposition.



Die Partymeile von Smögen. Im Sommer liegen hier hunderte Boote, zum Teil in mehreren Päckchen fast bis an die andere Seite.


Tag 23 und 24: Smögen muss man mögen!

Samstag und Sonntag, 11.-12.09.2020

Laut Törnführer gehört Smögen zu den Häfen an der Westküste, die man einmal erlebt haben sollte. Im Juli ist der Hafen vollgestopft mit Booten aus ganz Europa und den USA. Smögen wird hier auch als das »Monte Carlo der Westküste« bezeichnet. Mehrere Discos und ausgelassenes Nachtleben bieten für schwedische Verhältnisse einen Hauch von Mittelmeer-Ambiente. Jetzt im September ist der Ort bereits wie ausgestorben. Die meisten der kleinen Boutiquen in den bunten Fischerhäuschen, Restaurants und Bars haben geschlossen. Nachdem es mich mitten in der Nacht mit einer heftigen Magen-Darm-Attacke aus dem Schlaf gerissen hatte, verbrache ich die nächsten Stunden knieend, anschießend sitzend und dann liegend, und zwar bis Sonntag Nachmittag in meiner V-Koje!

Bis Samstag mittags regnete und stürmte es heftig. Trotz kompletter Vertäuung an der Pier waren die Böen bei Windstärke 7 im Boot mehr als deutlich zu spüren. Christian fuhr mit dem Klapproller zum nächstgelegenen Supermarkt und kaufte Wasser und frisches Gemüse ein. Ein echter Ritt in der hügeligen Welt von Smögen. Nachmittags klarte es auf und der Ort erstrahlte bei blauem Himmel und Sonnenschein. So sah es zumindest aus meiner Koje aus. Christian bewaffnete sich mit der Kamera und mache schöne Aufnahmen von diesem wirklich tollen und besonderen Fischerörtchen. Abends lief die Heizung, da es kalt und ungemütlich war. Sonntag Nachmittag habe ich mich aufgerafft und wir liefen das Ostufer ab, um die Tankstation zu suchen. Fehlanzeige! Laut aktuellem Hafenhandbuch sollte es hier zwei Fuel-Stations geben. Diese mussten den privaten Luxusbauten weichen, so dass wir Morgen in Kungshamn Diesel bunkern werden.



Die Rumtreiber am ´Smögen-Boulevard´, ein Highlight in jedem Reiseführer! Delius Klasing hat schon wegen der Bildrechte angefragt ;-)



Skandinavien wie es im Buche steht. Für uns steht fest, wir mögen Smögen!



Das urprüngliche Smögen geht verloren. Die letzen alten Häuser am Ostufer werden sicherlich bald Glas und Beton weichen müssen.


Tag 25: Back to the roots

Montag, 14.09.2020

Wir wollten nach dem Abwettern endlich weiter und waren froh, dass Wind, Wetter und mein halbwegs erholter Kadaver das Lösen des Tauwerkes zuließen und wir um 09.15 Uhr unter Segeln aus der Bucht in Richtung Kungshamn fuhren. Auf der vorgelagerten Insel der Marina befand sich die Tankstation, an der wir kurzfristig festmachten und 40 Liter Diesel bunkerten. Tauwerk wieder los und noch im Schutze der Landabdeckung zogen wir das Groß im zweiten Reff hoch. Seit fast einer Woche hatten wir nun Wind in der Stärke von mindestens 5 Beaufort. Auch heute würde es nicht weniger werden! Mit Motorunterstützung ging es bis zur Hafenausfahrt, bis wir nach Backbord abfielen und mit der zusätzlich herausgerollen Genua bei 120° in Richtung Innenschären fuhren. Die Sonne konnte sich nicht gegen die graue Wolenkdecke durchsetzen. Es war trocken und eigentlich nicht kalt, wenn nur der heftige Wind nicht wäre. Um 11.30 Uhr passierten wir die vor Anker liegende ´Rainbow Warrior´, ein niederländisches Greenpeace-Forschungs-Segelschiff der Superlative. Ein solches Rigg habe ich noch nie gesehen, für diese Bootsgröße aber mehr als sinnvoll und scheinbar unendlich stabil gebaut!

Heute war wieder Lehrbuch-Segeln angesagt, vom Butterfly über Raumschots, Halbwindkurs, am Wind, hart am Wind, extremes Kreuzen sowie zwangsläufiges gegenan motoren. Gegen 12.30 Uhr machte Christian das selbstgebackene Nussbrot von gestern im Ofen nochmals warm und servierte als Zwischenmahlzeit eine deftige Brettljause. Um 14.10 Uhr kamen Wind und Welle direkt von vorn. Wir mussten aufgrund der Untiefen den Motor anwerfen. Das offene Fahrwasser vor Gullholmen machte es uns bei Windstärke 6 und zwei Meter Welle direkt von vorn nicht wirklich leicht. Egal, lieber 30 Minuten motoren, als zweieinhalb Stunden aufkreuzen. Die Schläge wären aufgrund der vielen Untiefen nur kurz gewesen und hätten bei dem Gegenstrom wenig gebracht. Endlich schaffte es die Sonne, sich gegen den Grauschleier am Himmel durchzusezten. Um 15.00 Uhr erreichten wir Gullholmen. Wir entschieden uns, einmal in den kleinen Hafen einzufahren und dann, wie geplant, weiter in Richtung Stenskörsrännan zu fahren. Dort läge unser geplanter Ankerplatz für heute. Die gesamte Zuwegung war nicht größer als die Hafeneinfahrt von Niendorf Ostsee. Klein aber fein, auch wieder ein Bilderbuchbeispiel für Scandinavian-Living.

Der Wind hatte mittlerweile auf Süd gedreht und das war so nicht geplant! Unseren Ankerplatz hatten wir nach Schutz aus Westsüdwest ausgesucht. Jetzt liegen wir im offenen Schwell. Um 15.20 Uhr passierten wir die vorgesehene Ankerbucht und entschieden uns, direkt weiter zu fahren. Grund eins, es lag bereits ein Segelboot dort und Grund zwei, es war uns definitiv zu voll. Nächstes Ziel war somit die Bucht von Käringön, diese wurde uns auch von unseren Engländern wärmstens empfohlen. Laut Hafenhandbuch bietet die Insel zwar Schutz vor Südwinden, jedoch nur im Hafen. Ankern müsste man aufgrund des vorlagerten Flachs weit draußen. Auf unserer aktuellen Höhe entdeckte ich auf Backbord noch eine Insel mit einer Bucht, die perfekten Schutz vor Süd bieten würde. Wir entschieden uns sofort um und drehten bei. Motor aus und wenigstens noch mal eine viertel Stunde segeln. Wir tasteten uns bis auf die 3 Meter-Linie der Bucht vor und warfen den Anker. Perfekt, hier können wir die Nacht bestens verbringen. In mitten der Natur und endlich mal wieder ganz für uns alleine. Dingi raus, Heckanker ausgelegt und sofort ab auf die Felsen. Schärenklettern ist ein Traum für große Kinder! Bis zum Sonnenuntergang erkletterten wir die Insel Saltö und abends gab endlich mal wieder eine fette Grill-Session im Cockpit. Bis Mitternacht war der Wind komplett eingeschlafen und wir lagen hier so ruhig, wie lange nicht mehr.



Die Rainbow Warrior vor Anker. 62 Meter Länge, 11 Meter Breite, drei Genau und zwei Großsegel. Vorbildlich in Sachen Klimaschutz!



Auch wieder ein Beispiel für absolutes Bilderbuch-Skandivavien: Gullenhomenhamn.



Der Langenhagener Sommer scheint noch lange anzuhalten: Heute gab es endlich mal wieder einen richtigen Sonnenuntergang!


Tag 26: Waschen, legen, föhnen...

Dienstag, 15.09.2020

Heute sollte der Wind aus Süd kommen und sich gerade mal bei 7-8 Knoten einpendeln. Hieß also wenig Wind und dann noch genau aus der Richtung, in die wir wollten. Gegen 04.40 Uhr fiel nach der letzten Runde 10.000 die Entscheidung, heute hier zu bleiben. Bisher hatte die Rumtreiber uns stets treue Dienste geleistet, und das bei teilweise grenzwertigen Bedingungen. Zeit also, sich erkenntlich zu zeigen und ihr mal etwas Gutes zu tun. Die Saison neigt sich dem Ende und ist nicht spurlos am Boot vorbeigegangen. Der Rumpf ist vergilbt und zerkratzt, der Wasserpass glänzt im moosigen Grün. Das Heck ist durch Rost und Abgase verdreckt und braucht dringend mal wieder eine anständige Reinigung. Nach dem Aufstehen machte ich mich auf ins Dingi und reinigte den Gelcoat des Bootes. Mit einem Scheuerschwamm und Yachting Anti-Gilb (das Zeug ist echt der Hammer!!!) reinigte ich beide Seiten und den Heckspiegel, entfernte die gelben Stellen sowie sämtliche Kratzer und dunkle Stellen. Anschließend ließ ich den Rumpf trockenen und versiegelte ihn mit Flüssigwachs. Noch zweimal kräftig nachpoliert und nun perlte das Wasser wieder so richtig schön ab! Später lackierte ich noch den kompletten weißen Streifen backbords oberhalb der Fenster. Oben und unten abkleben, lackieren, fertig. Im Winterlager ein Höllenaufwand, da man alles auf 4 Meter Höhe mit der Leiter machen muss. Mit dem Dingi eine schnelle Sache.

Christian kümmerte sich währenddessen um die Winschen. Diese wurden bislang auch extrem beansprucht und liefen bereits ein bisschen schwergängig. Sorgfältig wurden beide auseinandergebaut, gereinigt und mit Winschenfett ordentlich gefettet. Nachdem alles wieder zusammengebaut war, liefen sie wieder doppelt so leicht. Der Motor und die Welle waren auf dieser Tour bereits über 60 Stunden gelaufen, so dass ein kleiner Motorcheck durchaus sinnvoll erschien. Seewasserfilter gereinigt, Wasserabscheider unterhalb des Dieselfilters entleert, Motoröl geprüft und noch einmal die Stoffbuchse der Antriebswelle mit Fett abgepresst. Fertig! Das Wellnessprogramm für die alte Dame hatte sich gelohnt.

Heute war es den ganzen Tag grau. Der Windanzeiger nahm auf 15 Meter Höhe noch ein bisschen Wind auf, hier unten im Schutze der Schäre war kaum Wind und keine Welle vorhanden. Gegen 16.00 Uhr waren wir mit den Arbeiten soweit fertig und kümmerten uns ums leibliche Wohl. @ Timo: Wir haben endlich den ersten Matjes-Accumulator durch!!! Gegen 18.00 Uhr fuhren wir mit dem Beiboot nochmal zu einer weit entfernten Schäre mit kleinem Hafen. Dort zog es sich allmählich so nebelig zu, dass wir zusehen mussten, wieder zurück zum Boot zu finden. Dieses war komplett im Nebel verschwunden und tauchte erst knapp 100 Meter vor uns wieder auf. Alles war nass vom Nebel und wir sahen zu, dass wir die Kuchenbude zumachten und unter Deck kamen. Vorher noch schnell den Außenborder verstaut und Dingi an Bord geholt. Hier wurden dann wieder Seekarten gewälzt und die Rücktour geplant. Es bleibt zu hoffen, dass sich morgen der Nebel lichten wird. Bei einer Sichtweite von 100 Metern in den Schären segeln, (was würde Klaus Kaiser jetzt sagen?) kann man machen, ist dann halt Kacke!



Rundum reudig! Heute musste mal dringend wieder was am Boot getan werden. So eine Tour hinterlässt ihre Spuren...



Zwar war heute nicht der 1. Mai, aber trotzdem Tag der Arbeit. Die Mühen haben sich auf jeden Fall gelohnt...



So kann sich die alte Dame wieder sehen lassen, brazilian waxing inkusive !!!


Tag 27: Mission completed!

Mittwoch, 16.09.2020

Während wir noch untätig in den Kojen schliefen, waren Sonne und Wind bereits früh aufgestanden und hatten schon ihre Hausaufgaben erledigt. Die nasse, kalte und nebelige Dunstglocke von gestern Abend war vollständig weggefegt. Während der Wind freundlich am Mast anklopfte, kam die Sonne um 07.00 Uhr mit 6.000 Lumen direkt durch die Fenster und teilte deutlich mit, dass heute perfektes Segelwetter sei. Der Wind hatte gedreht und wir lagen achterlich voll im Heckanker. Ohne ihn hätte heute Nacht definitiv die seitlich gelegene Steinwand das weitere Polieren des Rumpfes übernommen. Um 08.50 Uhr hoben wir den Buganker und anschließend den Heckanker. Der Wind kam mit 5 Beauford von West. Mit dem Groß im zweiten Reff und der Genua auf 70% der Segelfläche fuhren wir aus der Bucht. Nachmittags sollte der Wind auf Nord drehen. Bei Westwind sollte es heute Vormittag nach Süd durch den Kyrkesund gehen und anschließend nach Nord wieder zurück. Anschießend wollten wir um die Insel Tjörn herum, was wir mit dem Nordwind bestens erreichen würden. Der Plan für Heute ging zu 100% auf. Blauer Himmel, weiße Wolken. In mein Logbuch, welches ich stündlich führe, habe ich heute bei Wetter das Kürzel ´c´ für ´cloudy´ eingetragen. Und das ist jetzt der perfekte Übergang zu meinem Geburtstagsgruß! Denn heute ist der 16. und Claudi hat Geburtstag! Alles Liebe und Gute von mir aus dem hohen Norden. Zufriedenheit, Glück, Gesundheit und wackelfreie Kanus wünsche ich Dir von Herzen :-)

Um 11.00 Uhr fuhren wir bei blauem Himmel und Sonnenschein durch den Kyrkesund, ein gewünschtes Zwischenziel, welches ich mir für diese Reise gesetzt hatte. Anschließend ging es vier Meilen in Richtung Norden wieder zurück. Kurz vor dem Fahrwasser Rund Tjörn kam bei 24 Knoten Wind nochmal richtig kräftige Welle vom Skagerrak. Wir bogen steuerbords ab und fuhren nun geschützt unter Landabdeckung im ruhigen Fahrwasser. Der Wind drehte tatsächlich auf Nord und wir kamen unter Segeln um die ganze Insel herum. (Hey Jörn, bester Ersatz für Törn wäre definitiv Tjörn ;-) Wir mussten mehrere Brücken passieren, die aber alle über 20 Meter hoch waren. Als Zwischenstärkung gab es zum Mittag Heringsfilets mit Bratkartoffeln. Nach 27 Seemeilen erreichten wir um 15.30 Uhr die Spitze von Bökenviken, einer unserer angedachten Ankerplätze. Dieser entpuppte sich jedoch als furchtbar hässlicher Industriehafen, der uns bei diesem Wind überhaupt keinen Schutz bot, so dass wir auf der Stelle beidrehten und weiter Richtung Süden fuhren. Daher entschied ich mich für die Insel Älgön, welche nach Süd heraus eine steile Felsenkante mit 5 Meter Wassertiefe hat und uns so optimalen Schutz bieten könnte. Von Weitem sahen wir bereits, dass die Felsen sehr hoch sind und wir dahinter wohl einen perfekt geschützten Platz vor dem nach wie vor kräftigen Nordwind finden würden. Gegen 17 Uhr passierten wir die Westspitze der Insel.

Kein Wind, keine Welle. Sonnenschein und -seit Tagen nicht mehr im Sortiment- Wärme! Hier waren wir richtig!!! Unter Maschine fuhren wir direkt an den Felsen und begutachteten eine Möglichkeit zum Festmachen. Heute sollte der Tag sein, an dem wir zum ersten Mal unsere extra angeschafften Schärenanker in eine Felsspalte schlagen um daran festzumachen. Gesagt - getan. Christian holte Hammer und Schärenanker und ich bereitete den Heckanker vor. Ca. 30 Meter vor dem Felsen warf ich den Anker über Bord. Christian stand auf der Bugsprit bereit. 40 cm vor dem Felsen setzte ich den Heckanker durch und Christian stieg auf die Schäre. Bewaffnet mit Tauwerk, Latthammer und Anker suchte er eine geeignete Felsspalte und schlug ihn ein, zog das Tauwerk durch und führte es auf Slip zum Boot zurück. Zum ersten Mal lag die Rumtreiber an Heck- und Schärenanker fest am Felsen. Misssion completed! Jetzt hatte ich alle gesetzten Ziele erreicht. Einmal nach Norwegen, einmal durch den Kyrkesund und einmal mit eigenen Schärenankern an einer Felswand liegen!!!. Die Abendsonne holte an Temperatur noch mal alles raus was ging. Von Bord aus konnten wir direkt auf den Felsen steigen und setzen uns auf den herrlich warmen Stein. Bei einem guten Pacto Navio saßen wir dort, bis die Sonne hinter der Westspitze verschwand. Anschließend brachte Christian noch einen zweiten Schärenanker auf der Steuerbordseite aus und holte das Heckankertaufwerk weiter durch. Für die Nacht lagen wir so mit 5 Meter Abstand von der Schäre und mit zwei Bugleinen am Felsen sowie dichtgeholtem Heckanker perfekt. Anschließend wurde unter Deck erst mal zünftig gekocht und gegessen. @Jörg: Übrigens, kippes heißt auf schwedisch verklappes!



Im April den Törnführer wahllos aufgeschlagen und ein Bild von Kyrkesund gesehen. Da müssen wir hin!



What a Claudi day! Zum Geburtstag blauer Himmel und Sonnenschein!



Christian schlägt den Schärenanker ein. Die Rumtreiber in der Abendsonne am Felsen, wir haben das Maximum an Schweden herausgeholt!


Tag 28: Ein zweites Wiedersehen!

Donnerstag, 17.09.2020

Gegen 00.00 Uhr war das Online-Logbuch hochgeladen und wir entschlossen uns, noch eine kleine Runde 10.000 zu zocken. Das ging dann wieder mal bis kurz vor drei! Zum ersten Mal hatte ich die Thermostatfunktion meiner Standheizung ausprobiert, so dass wir es hier unten so richtig kuschelig warm machten und die Heizung sich auf kleinster Stufe einstellte. Perfekt! Dann ging es in die Kojen. Heute hatte ich mir vorgenommen, auf den großen Felsen zu klettern, vor dem wir lagen. Eine deftige Currywurstpfanne zum Frühstück sollte als Energiespender genau das Richtige sein. Christian fuhr mich mit dem Dingi an die Strandbucht und ich stieg auf nach oben. Dort angekommen bot sich ein fantastischer Blick über die gesamte Inselwelt rund Marstrand. Hier wollen wir heute hin. Um 13.00 Uhr schlugen wir die Schärenanker aus der Felsspalte und hoben den Heckanker. Unter Vollzeug ging es bei 12 Knoten Wind und Traumwetter an der Kreuz in Richtung Westen. Bereits um 14.00 Uhr befanden wir uns im Fahrwasser von Marstrand. Um 14.30 Uhr machten wir längsseits am Anlegesteg im Stadtzentrum fest. Genau gegenüber von uns befand sich ein kleiner Einkaufsmarkt, in dem wir uns mit frischen Vitaminen eindeckten, also Limetten für die Cocktails. Anschließend gingen wir hoch zur alten Burgfestung, die wir auf dem Hinweg bereits von Weitem sehen konnten. Marstrand ist ein malerischer Ort mit wunderschönen Häusern und kleinen urigen Gassen. Die beeindruckende Burgfestung haben wir einmal umrundet und uns dann wieder auf den Weg Richtung Boot gemacht. Den Marstrandsund queren zwei Fähren, die Wegerecht haben. Um 16.00 Uhr legten wir wieder ab und kamen gut an den Fähren vorbei. Wieder unter Vollzeug und mit einem entspannten Halbwindkurs führen wir in Richtung Sonne aus Marstrand aus zu unserer Ankerbucht.

Und hier gab es ein zweites Wiedersehen. Die Bucht von Utkäften war unsere erste richtige Schärenbucht, in der wir bereits 15 Tage zuvor vor Anker lagen. Mittlerweile sind wir schärenfest und wir gingen selbstsicher mit ausgeworfenem Heckanker direkt an den Felsen und machten an den vorhandenen Stahlösen fest. Wir waren diesmal die Einzigen hier in der ganzen Bucht und konnten von der Bugsprit aus auf die Schäre steigen. Wir packten Grill, Getränke, Maiskolben, Kräuterbutter und Grillutensilien zusammen und kletterten hoch auf die "Sonnenterrasse". Bei einem fantastischen Ausblick über die Bucht und der Abendsonne im Gesicht gab es das langersehnte Schären-BBQ, so wie es traditionell die Schweden im Sommer zelebrieren. Die Sonne verschwand gegen 19.00 Uhr hinter den Felsen und es wurde dann auch schlagartig kühl. Wir gingen aus Boot zurück und planten die nächste Route. Göteborg ist bereits in Sichtweite und unterhalb hört die Schärenwelt dann auch schnell auf. Sonntag geht es wieder zurück Richtung Heimat. Natürlich abhängig von Wind und Welle ist der derzeitige Plan durch den Öresund zwischen Schweden und Dänemark zu gehen, mit einem Abstecher nach Kopenhagen oder Malmö. Bis dahin wird sich aber noch viel ändern, so wie mein Dienstplan innerhalb einer Woche! In diesem Sinne: So Sahne und liebe Grüße ans PABR!!!



Ein schöner Ausblick über die gesamte Region rund Marstrand. Unten fuhr Christian im Dingi zum Boot zurück.



Sehenswürdiges Marstrand. Wir hatten Glück und fanden einen freien und kostenlosen "Parkplatz" für die Rumtreiber und erkundeten die Stadt.



Diesmal lagen wir direkt an der Schäre. Das Wasser war glaskar und so konnten wir gefahrlos bis an den Felsen heranfahren.


Tag 29: Krasser Kontrast

Freitag, 18.09.2020

Heute ging es Richtung Göteborg und vermutlich waren wir hier das letzte mal fest an einer Schäre. Um 10.30 Uhr ließen wir das Tauwerk durch die Ösen rauschen und hoben den Heckanker. Aus der Bucht gingen wir noch ca. 5 Minuten unter Motor, dann zogen wir Groß und Genua raus und kamen bei Windstärke 4 geschmeidig voran. Wir nahmen nicht den direkten Weg, sondern fuhren weiter ins zerklüftete Innere der Schären. Somit kamen wir im oberen Fahrwasser Göteborgs heraus, dem Northern Channel. Auch heute war das Wetter wieder gut, blauer Himmel und weiße Wolken. Kreuz und quer durch die kleinen Steininseln nahmen wir an Segelstellungen wieder alles mit, was das Sortiment so her gab. Angefangen vom Butterfly bis hin zum Aufkreuzen im Bjäkölfjorden war alles drin. Hier herrschte heftiger Fährverkehr zwischen den vielen Inseln. Wir mussten uns entscheiden, ob wir nach Westen zu den vorgelagerten Inseln wie Hönö oder Öckerö segeln oder östlich nach Göteborg. Alternativ auch gleich weiter nach Süden, um den ganzen Industriewahnsinn vor Göteborg zu entfliehen. Wenn wir denn schon einmal hier sind, dann bitte auch mittendrin, statt nur dabei! Auf Schlag waren wir uns einig. Also geht es heute direkt nach Göteborg. Mitten im Stadtzentrum gibt es eine kleine Marina, Lilla Bommen, direkt vor der Viermastbarg "VIKING".

Das Fahrwasser ist hier ausgetonnt, wie eine Autobahn. Riesige Pfosten, mit ausgelagerten, beleuchteten und farblich markierten Tafeln bezeichnen das 600 Meter breite Fahrwasser. Der Wind kam achterlich, so dass wir mit der ausgebäumten Genua an Backbord und mit Stander gesichertem Groß an Steuerbord im Butterfly in Richtung Älfsborgsbron fuhren, der 45 Meter hohen Brücke vor Göteborg. Der Northern Channel und der Southern Channel laufen hier zusammen und wir befanden uns nun genau in der Mitte. Ein großer Frachter steuerte direkt auf uns zu, und wir wussten nicht, wohin er fahren wird. Mit gerade einmal 3 Knoten Fahrt und ausgesteiften Segeln, die keinen anderen Kurs zuließen, konnten wir nur hoffen, dass wir hier nicht ins Kreuzfeuer gerieten. Hinter uns kam zudem noch ein Schleppverband, der aus einem 285 Meter langem Öltanker und drei vertäuten Schleppern bestand. Entwarnung! Der von vorne kommende Frachter änderte seinen Kurs und ging weit vor uns in den Southern Channel. Somit konnten wir unseren Kurs beibehalten. Kurz vor der Brücke holten wir um 16.00 Uhr die Segel ein, denn ab der Brücke ist das Segeln verboten. Große Warntafeln weisen darauf hin. Unter Maschine fuhren wir noch knapp 40 Mintuen bei langsamer Fahrt die gesamte Wasserlinie Göteborgs ab, bis wir die vier Masten der VIKING sahen. Kurz vor dem weißen Großsegler ging es steuerbords in den Gästhamn Lilla Bommen. Auch hier war wieder alles frei und wir konnten uns unsere Box aussuchen. Längsseits gingen wir an den Steg und machten dort nach 22,6 Seemeilen fest. Als Passathafenlieger eine besondere Ehre, vor der weißen Viermastbarg festzumachen! Plötzlich Notruf: H-U-N-G-E-R!!! Bevor wir uns um irgendwas anders kümmerten, wurden Pött und Pann auf den Gasherd gestellt und es gab erstmal eine große Seemannsportion Spaghetti Bolognaise, special pimped by C.L., with grilled onions, garlic and a delicius taste of hot chilli. Es war Feitag Abend und wir lagen direkt im Stadtzentrum in mitten etlicher Einkaufspassagen und Hotspots. Überall Menschen, Ampeln, Verkehrslärm und Gedränge! Was für ein krasses Kontrastprogramm zu unseren Ankerplätzen der letzen Wochen. Nach eineinhalb Stunde hatten von allem genug und wir gingen zurück an Bord. Später entsorgten wir noch diverse Müllbeutel und nutzten die langersehnten Duschmöglichkeiten. Der Plan war eigentlich hier bis Sonntag zu bleiben, aber das halten wir wahrscheinlich gar nicht aus. Momentan gehe ich davon aus, dass wir morgen Abend wieder irgendwo vor Anker liegen und die glas- und betonfreie Natur von Schweden genießen werden. Mal sehen, was der morgige Tag so mit sich bringt. Laut Wetterbericht soll es 10 Stunden Sonne geben, daraus lässt sich auf jeden Fall etwas machen...



Hinter uns ein Schleppverband, vor uns ein großer Frachter. Überall Schiffe! Die Rumtreiber mittendrin im Fahrwasser Göteborgs.



Um 16.00 Uhr passierten wir die Älfsborgsbron. Die Segel mussten wir einholen, da das Segeln ab hier verboten ist!



Die Rumtreiber vor der Viermastbarg Viking und dem "Lipstick" von Göteborg, dem neuen Wahrzeichen der Stadt.


Tag 30: Stora Rävholmen - Refugees welcome!

Samstag, 19.09.2020

Die Nacht war lang und uns hatte mal wieder das Knobelfieber gepackt. "Verlierer fängt an!" sagte Christian alias ´Streetman´ grinsend. Ich nahm den Würfelbecher hoch und konterte: "Verlierer fängt an..." Bääääääm! Eine fette 10.000 mit Bestätigung im ersten Wurf, damit hatte keiner gerechnet. Weiter ging's! Somit war heute erstmal ausschlafen angesagt. Vormittags erkundeten wir das Zentrum Göteborgs und kauften bei Lidl noch ein paar frische Lebensmittel ein. Die Einkaufspassage war ca. drei mal so groß wie der Citti-Park und bot alles an Geschäften, was man sich nur vorstellen konnte. Hier hatten wir sogar die zu Bruch gegangenen Molinari-Gläser ersetzen könnnen. Corona kennt hier offensichtlich niemand, alles voller Menschen, keine Hygienekonzepte, keine Abstandsregelungen, keine Begrenzung der Personenzahl in Geschäften oder sonstiges. Mir wurde hier erst bewusst, dass ich seit mittlerweile 30 Tagen keinen Mund-Nasen-Schutz mehr getragen habe. Es war Wochenende und die Cafés und Restaurants waren brechend voll. Uns war das hier alles viel zu viel und wir sahen zu, dass wir zum Boot zurückkamen um abzudampfen.

Um 13.30 Uhr verabschiedeten wir uns von der Viking und motorten in Richtung Älvsborgsbron. Das bisschen Wind, was wir hatten, kam auch noch direkt von vorne. Aus dem Fahrwasser bogen wir nach Süden in die vorgelagerten Inseln ein. Es war Wochenende und alles war voller Segelboote. Wir bekamen einen kleinen Vorgeschmack von dem, was hier im Sommer los sein muss. Alle nutzten noch mal den Sonnenschein im Spätsommer aus. Motorboote kamen und fuhren in und aus allen Richtungen und sorgten für regelmäßigen Wellenschlag. Aufgrund des angesagten Südwindes entschieden wir uns für die Insel Stora Rävholmen, die wie eine Sichel nach Westen geöffnet ist und uns perfekten Schutz für die angesagte Windrichtung bieten würde. Zudem liegt sie direkt am Skagerrak, so dass wir morgen dann auch gleich in Richtung Süden weiterfahren können. Zum Abschluss ging es durch den wunderschön gelegenen Kallö Sund, ein enges Fahrwasser zwischen der südlich gelegenen Inselwelt vor Göteborg. Es zog sich kurzfristig zu und die Sonne verschwand hinter dunklen Wolken. Das Reedefeld draußen sah aus, wie ein großer Schiffsfriedhof. Mehr als 15 Schiffe lagen hier vor Anker, viele davon schon seit dem wir hier vor 17 Tagen vorbei gefahren waren. Um 16.00 Uhr erreichten wir unsere Ankerbucht. Ich bereitete den Anker vor, während Christian sich langsam in Richtung 2 Meter Linie vorantastete. Die Steine gingen an dieser Stelle steil ins Wasser. Vielleicht kommen wir hier doch nochmal direkt ran? Wir tauschten die Aufgaben und vorsichtig tastete ich mich unter Motor in Richtung Felsen, während Christian auf der Bugsprit die Wassertiefe sichtete. Satte 3,40 Meter direkt am Felsen und sogar feste Ösen zum Festmachen direkt vor uns! Besser geht nicht. Ankern fällt also aus, wegen is nich! Ich fuhr ca. 3 Schiffslängen zurück und warf den Heckanker. Christian bereitete die Festmacherleinen vor und wir gingen direkt an den Felsen ran. So lagen wir in der Abendsonne fest vertäut an einer Schäre und fühlten uns hier als Flüchtlinge vor Hektik, Konsum und Großstadtlärm mehr als willkommen. Morgen geht es nun langsam zurück in Richtung Deutschland und schöner hätte ein letzter Aufenhalt in den Schären nicht sein können.



Draußen lagen nach wie vor etliche Kreuzfahrtschiffe und Frachter vor Anker.



Heute ging es mitten durch den Kallö Sund. Die letzte Tour durch die südliche Inselgruppe der einzigartigen schwedischen Schärenwelt.



Das Optimum war erreicht! Die Rumtreiber lag nach knapp 200 Seemeilen in den Schären nochmal fest am Felsen.


Tag 31: Nicht Fisch, nicht Fleisch...

Sonntag, 20.09.2020

Heute war ein Tag, der war eigentlich gar keiner! Er begann grau in grau und endete auch genau so. In der Ankerbucht war es windstill. Heute Morgen hatten wir noch schnell ein Brot gebacken, gefrühstückt und wollten dann los in Richtung Süden. Um 10.30 Uhr ließen wir das Tauwerk durch die Ösen rauschen und hoben den Anker. Unter Motor ging es kurz aus der Bucht, dann unter Vollzeug an Backbord in Richtung Süden. Der Wind kam mit Windstärke 2-3 aus Südwest. Wir liefen am Maximum mit 30° am Wind und kamen so halbwegs in die Richtung, in die wir wollten. Der Wind wurde weniger. Wir mussten an drei Inselgruppen mit sehr flachen Untiefen vorbei. Der Wind drehte, schlief teilweise ein und kam dann von einer ganz anderern Richtung. So dicht wir auch an den Wind kamen, alle drei Inseln lagen direkt auf unserm Kurs und wir mussten immer weiter abfallen und kamen einfach nur dichter ans Festland. Nach viereinhalb Stunden hatten wir gerade mal 10 Seemeilen im Gepäck. Welle, Wind und Richtung waren weder Fisch, noch Fleisch. Um 14.00 Uhr zogen wir den Booster hoch, um bei dem bisschen Wind wenigstens noch etwas an Strecke zu machen. Mit diesem kamen wir ein bisschen besser voran. Wir segelten in Schlangenlinien, da wir ununterbrochen den Kurs an die Windrichtung anpassen mussten. Und das bei einer Geschwindigkeit von 2,2 Knoten. Abends sollte der Wind zunehmen, und wir wollten die Nacht durchsegeln, um die verlorenen Seemeilen wieder gut zu machen.

Es war grau und kalt. Ein heißer Kakao für die Seele und nachmittags eine deftige Portion Chilli con Carne als Stärkung für die Nacht brachte etwas Wärme in den Körper. Um 18.00 Uhr dümpelten wir nur noch rum und die Segel hatten kaum noch Anströmung. Laut Windfinder soll der richtige Wind erst heute Nacht um 02.00 Uhr kommen. Um nicht im Dunklen auf offener See zu stehen oder die halbe Nacht motoren zu müssen, entschlossen wir uns kurzer Hand um, und gingen an die Nordseite der Insel Malö, in dessen steiniger Bucht wir vor knapp drei Wochen geankert hatten. Diese lag direkt neben uns und im Halbdunklen motorten wir 10 Minuten in den kleinen Sund. Heckanker raus, Buganker raus und dichtholen. Kurz noch Aufklaren und eine viertel Stunde später war es stockdunkel. Ankern im letzen Augenblick. Morgen soll es früh losgehen, da abends der Wind wieder einschlafen soll. Wir konnten heute zwar 22 Seemeilen in Richtung Süden unter Segel machen, aber irgendwie war das heute Nix. Langweilig, nervig und anstrengend. Wenigstens blieb es den ganzen Tag trocken, so dass wir uns eigentlich gar nicht beschweren dürften. Mal sehen, wie es morgen wird...



Nachts zogen bereits dunkle Wolken auf. Im Reedefeld machten viele der Schiffe ihre Beleuchtung an.



Alles war grau in grau. Wind und Wetter waren zum Segeln heute einfach nur schrecklich!



Kaum war der Anker gefallen, wurde es stockdunkel. Nach dem Aufklaren wurde es im Cockpit nochmal gemütlich...


Tag 32: Am Ende war wieder alles gut!

Montag, 21.09.2020

Meine Nacht endete, als Christian mit der Taschenlampe bewaffnet um 04.30 Uhr auf dem Deck umher lief und das Ufer begutachtete. "Das Boot hat sich gedreht" rief er, "der Heckanker scheint sich gelöst zu haben!". Wir lagen deutlich seitlicher zum Ufer als noch gestern Abend, jedoch sicher auf 6 Metern Wassertiefe. Wir versuchten den Heckanker dichter zu holen, was darin endete, dass wir ihn letztendlich an Bord hoben. Durch die Strömung und den zunehmenden Wind hatte er den Halt im Untergrund verloren. Alles nicht so schlimm, nur der Schlaf hatte gelitten. Um 06.00 Uhr standen wir auf und bereiteten uns auf den nächsten Törn vor. Um 06.30 Uhr hoben wir im Dunklen den Anker und umfuhren die Insel in Richtung Nordost. Es waren etliche Angelboote unterwegs, überall und mindestens 20 Stück um uns herum verteilt. Meine rot/grüne Positionslaterne vorne am Bug flackerte noch einmal kurz auf und dann war alles dunkel! Achterlicht genauso, da der Sicherungsautomat am Schaltpanel ständig rausflog. Die Sonne sollte frühestens in 30 Minuten aufgehen, aber es war wieder mal alles in dunkelgrau verpackt und ohne Beleuchtung an all den Booten vorbei geht gar nicht. Also baute ich die Positionslaterne auseinander, nahm das rot/grüne Glas und hielt eine Taschenlampe dahinter. Und so stand ich da, 20 Minuten wie ein Depp als fleischgewordene Positionslaterne mit Glas und Funzel in der Hand, bis wir aus der Bucht raus waren. Die graue Suppe von gestern sollte heute noch getoppt werden. Um 07.20 Uhr unter Segel sahen wir kein Land und kein Horizont mehr, alles verschwand hinter einer Nebelwand in der Ferne. Nieselregen kam dazu und machte es nicht besser. Um 08.00 Uhr hatten Wind und Welle soweit auf Süd gedreht, dass wir die Genua einholten, den Motor anwarfen und direkt gegenan gingen. Für zwei Stunden hämmerte die Maschine auf 2.500 Umdrehungen pro Minute und sorgte für etwas mehr Geschwindigkeit, Richtung und 40 Ampere Ladestrom für die Batterien. Das Solarmodul hatte in dieser Nebelkammer leider innerhalb der letzten 36 Stunden weniger Energie produzieren können, als ich zum Schreiben dieses Satzes auf dem Laptop benötige! Mein Batteriemanagement schrieb daher nicht gerade schwarze Zahlen, denn mein FI-Schalter ließ ein Laden in Göteborg mal wieder nicht zu. Um 10.00 Uhr waren wir weit von der Küste abgekommen. Der Wind hatte bei Windstärke 3-4 bei auf Südwest gedreht, so dass wir zumindest in Richtung Festland wieder segeln könnten. In Anbetracht der Tatsache, dass wir für die Nacht gar keine Beleuchtung mehr hätten und Wind und Welle aus der falschen Richtung kamen, mussten wir uns etwas für die Nacht suchen. Schären passé, hier gibt es nur noch flache Küste und beim herrschenden Südwestwind keine einzige Bucht, in der wir Schutz finden würden.

Heute war der Tag gekommen, an dem wir mittlerweile den vierten Seekartensatz aus der Verpackung nahmen. Wir waren jetzt mitten im Kattegat unterwegs und kommen langsam auf den Öresund zu. Die dichteste Möglichkeit wäre für uns Glommen, ein kleiner Fischereihafen mit anliegendem Seglerverein, der auch Gästeplätze vorhält. Der nächste Hafen wäre dann wieder so weit entfernt, dass wir dort erst in der Dunkelheit ankommen würden. Daher haben wir uns für das noch 17 Seemeilen entfernte Glommen entschieden und mussten mal wieder mit 30° am Wind und dicht gezogener Genua und Großsegel auf dem Zahnfleisch dorthin reiten. Die Aries hatte das Steuern übernommen bis die Wellen deutlich zunahmen. Der Wind kam kräftiger und wir kamen mit einer Geschwindigkeit von bis zu 6 Knoten bestens voran. Christian steuerte aufgrund der vorherrschenden Böen das Boot mittlerweile per Hand. Die dauerhafte Schräglage auf Backbord sowie das Knallen der Wellen sorgten dafür, dass mir mein iMac trotz aller Sicherungen mit einem riesen Scheppern direkt vom Kartentisch in die Küche flog. Ich wusste bisher nicht, das es auch eine Spiderapp für iMac´s gibt. Ein Blick auf den gesprungenen Bildschirm machte meine Laune perfekt. Leere Batterien & fragwürdige Aufladeoptionen, kaputte Positionsbeleuchtung und Elektroschrott auf dem Küchenboden, schlechter kann es doch gar nicht laufen, oder? Um 14.00 Uhr steuerten wir in die kleine vorgelagerte Einfahrt des Hafens ein. Wir fanden am Kopfsteg einen freien Liegeplatz, an dem wir (Tiger, was haben wir für eine Saison?) Richtig! längsseits festmachen konnten. Fender an Backbord raus, Tauwerk vorne und hinten über Slip auf die Mittelklampe gezogen und fest war(en) die Rumtreiber. Um 14.15 Uhr war alles kaufgeklart, wir hatten früh Feierabend und heute gute 30,6 Seemeilen geschafft.

Ich hatte eine Krawatte bis Meppen! Die Frage war, ob ich sie wieder los werde, oder sie sich noch fester zuzieht. Als erstes versuchen wir es mit dem Landstrom und nach gutem Zureden sprang tatsächlich mein Laderegler an und drückte die nächsten fünf Stunden mit über 30 Ampere die Starter- und Verbraucherbatterien voll. Der iMac musste mit schwarzem Klebeband am Rand ein bisschen geflickt werden, funktioniert aber glücklicherweise noch einwandfrei. Die Verdrahtung der Positionslichter war vollständig korridiert. Ich tauschte das Kabel von der V-Koje durch den Ankerkasten zum Laternenanschluss. Zusätzlich wurden noch die alten Klemmstecker erneuert und alles lief wieder einwandfrei! Na bitte, so schlecht war der Tag doch gar nicht :-) Um 16.30 Uhr waren wir mit Reparaturen und Essen durch und gingen eine Runde durch das beschauliche Örtchen. Zur Feier des Tages kam sogar die Sonne kurzfristig raus. Abends saßen wir wieder über Logbuch, Seekarte und Windfinder zusammen und schlugen die Hände über den Köpfen zusammen. Die Prognosen für die kommenden Tage sind katastrophal...



Die Hafeneinfahrt von Glommen war von der Größe her sportlich. Wir hatten Glück und fanden direkt einen Liegeplatz.



The early 80th! Diese Lüsterklemme wurde vermutlich 1982 verbaut, die Klemme verrostet, das Kupferkabel graublau korridiert.



Nach getaner Arbeit erkundeten wir die Umgebung. Glommen in der Abendsonne... Im Vergleich zu Göteborg, klein, fein und überschaubar.


Tag 33: Den Spieß mal umgedreht...

Dienstag, 22.09.2020

Aufstehen mit Sonnenschein! Heute sollte es vom Wetter her den ganzen Tag sonnig werden und das fing morgens schon an. Der Wind war eher schwach und kam aus Südsüdwest, ziemlich genau von dort, wo wir hin müssen. Bis Kullen, am Eingang des Öresundes, waren es noch 50 Seemeilen die wir so oder so an einem Tag nicht schaffen würden. Option 1: Motoren, über Nacht ankern und wieder motoren. Option 2: Segeln, über Nacht segeln und wieder segeln. Beides sollte Mittwoch Mittag nach Kullen führen. Wir hatten uns für die zweite Variante entschieden, lösten um 09.00 Uhr das Tauwerk am Steg und gingen unter Maschine langsam aus der Hafenausfahrt. Die Windausbeute war ernüchternd, eine leichte Zwei, mit 6-8 Knoten von SW. Egal, wir haben ja Zeit! Mit Groß und Genua an Backbord kamen wir anfangs noch mit 2 Knoten Fahrt voran, bis wir um 10.00 Uhr mit 1,2 Knoten Fahrt vor dem Leuchtturm von Glommen herum dümpelten. Viel hilft viel, also holten wir den Booster raus und zogen ihn ins Topp. Auf Backbord fuhren wir direkt aufs Festland zu, auf Steuerbord wieder zurück Richtung Grenaa. Wir kamen nicht annähernd in die Richtung, in die wir müssen. Grund hierfür war zum einen, dass sich der Booster als Vorwindsegel nicht hart am Wind segeln läßt. Zum anderen nahmen die Wellen immer mehr zu und warfen uns mit jedem Meter gewonnener Höhe direkt wieder zurück. Wir segelten dauerhaft von Ost nach West und umgekehrt, aber keinen Meter in die eigentliche Richtung. Die Wellen ließen den Booster ständig einfallen um sich dann mit einem riesen Ruck wieder aufzublähen. Wir mussten etwas ändern, das hier würde weder das Segel noch unsere Nerven auf Dauer aushalten. Mittlerweile war es kurz vor 12.00 Uhr und wir hatten gerade mal 3 Seemeilen geschafft. Wir konnten nicht segeln, es war einfach nicht möglich! Wir haben alles versucht, aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Die Welle kam mit 1,5 Meter von vorne und stellte sich uns in den Weg. Ich motore ungerne, aber da es nicht anders ging, wurde der Zündschlüssel umgedreht und das Aggregat gestartet.

Wieder einmal Wind und Welle direkt von vorne, aber heute drehten wir den Spieß um und machten dem Kattegat eine Kampfansage: Heute kommen WIR von vorn! Hinten tobte mit 2.500 Umdrehungen das ´blaue Biest´ und sorgte für richtig Schub, während vorne die frisch polierte Bugspitze stampfte und wie eine Spaltaxt jeden Wellenkamm in zwei Teile schlug, der sich ihr in den Weg stellte! Ein heftiges Auf und Ab, die Gischt flog meterweit nach beiden Seiten und ließ für den Bruchteil einer Sekunde kleine Regenbogen entstehen. Wir marschierten gnadenlos voran! Nach zweieinhalb Stunden Wellenmassaker hatten wir das Kattegat in die Knie gezwungen und es wurde deutlich ruhiger. Den ganzen Tag hatten wir bislang Traumwetter, mit blauem Himmel und Sonnenschein. Ab 15.00 Uhr war die See so glatt, dass Christian oben auf dem Sonnendeck lag und das tolle Wetter und die Wärme genoss. Unter Deck ließ es sich angenehm kochen, essen und Logbuch schreiben. So blieb am Abend mehr Zeit für's Zocken über ;-). Als Zwischenziel für heute Nacht hatten wir auf der Seekarte eine Alternative ca. 15 Seemeilen vor Kullen entdeckt. Leider durften wir nicht in die für uns perfekt gelegene Nordbucht der Insel Orskär, da diese unter Naturschutz steht und das Ankern hier ausdrücklich verboten ist. Wir hofften darauf, dass uns das Nordufer von Hallands Åsen in der Laholmsbukten nebenan geeigneten Schutz bieten würde. Um 16.00 Uhr kam das Kattegat zum Erliegen. Kein Wind, keine Welle. Es war herrlich warm draußen, Segelanzug aus, kurze Hose an.

Im Hafenführer entdeckten wir 3 Seemeilen hinter unser Bucht noch eine kleine Marina mit einer Bunkerstation für Benzin und Diesel. So entschieden wir uns kurzerhand um und fielen ein paar Grad ab. Neues Ziel: Torekov. Rein, tanken, raus und neben dem Hafen ankern - viel gemütlicher und kostenlos! So war der neue Plan. Beim Einfahren in den Hafen sahen wir das große "Ankern verboten Schild", da hier Unterwasserkabel verleg sind. Daher gingen wir in die Marina und machten dort fest. Der Tankautomat funktionierte leider nicht, so dass wir hier kein Diesel bunkern konnten. Nach dem Festmachen gingen wir zum Strand und genossen das Sonnenuntergangspanorama am Horizont. Anchließend wurde gekocht, gegessen und gezockt. Morgen wird es in den Öresund gehen.



Heute ging es mit vereinten Kräften gegen Wind und Welle. Abends wurde der glorreiche Sieg über die Schlacht gefeiert...



Kurze Hose, Holzgewehr! Nachmittags wurde es immer wärmer und wir brauchten gefühlt seit Wochen keinen Segelanzug tragen.



Der Sonnenuntergang war der Abschluss eines tolles Tages, Torekov entpuppte sich als richtig gemütlicher und idyllischer Ort.


Tag 34: Im Topf ohne Deckel

Mittwoch, 23.09.2020

Noch vor dem Aufstehen wurde erstmal Wind und Wetter gecheckt. 12 Stunden Sonne waren schon mal perfekt, der Wind kam wieder genau aus der Richtung, in die wir müssen. Der Hafen von Torekov zeigte sich um 07.30 Uhr noch diesig verschlafen im Morgentau. Wind war keiner zu spüren. Um 08.30 Uhr verließen wir den Hafen, nachdem wir noch einen untauglichen Versuch gestartet hatten, aus der Zapfsäule vielleicht doch ein bisschen Diesel zu bekommen. Von der Sonne war nichts mehr zu sehen und im betonnten Fahrwasser fuhren wir in dichtem Nebel. Gut, dass unsere Positionslaternen wieder funktionierten! Wir orientierten uns am Seekartenplotter und gingen auf Kurs Richtung Kullen, der schwedische Torpfosten zum Öresund. Von noch anfangs 300 Meter Sichtweite waren es zum Teil nur noch 50 Meter. Dichten Nebel hatte ich auf See bislang so noch nicht gehabt, mir aber schon lange gewünscht, um auch hier entsprechende Erfahrungen sammeln zu können. Jetzt waren wir mitten drin statt nur dabei! Dauerhaft Ausguck besetzen war angesagt! Mit dem Nebelhorn gaben wir Schallsignale in die Umgebung, um auf uns aufmerksam zu machen und ggf. durch Gegensignale zu wissen, dass noch andere Boote hier unterwegs waren. Alles bleib ruhig. Wetterprognose schon mal 100% daneben. Die Windprognose war genau so falsch, jedoch mit dem Unterschied, dass der Wind für uns perfekt aus Südost kam und wir nur 10 Minuten motoren mussten. Wir hatten keine Welle und bei Windstärke 3-4 kamen wir mit einem 60° Kurs unter Vollzeug an Steuerbord direkt auf Kullen zu. Wir kamen uns vor wie in einem riesen Topf ohne Deckel. Über uns blauer Himmel, um uns herum nur dichter Nebel. Alles war nass, die Luft tropfte förmlich. Wir kamen mit 4,5 Knoten Fahrt gut voran und sollten Kullen gegen 11.00 Uhr erreichen. Bis 10.30 Uhr war von der Nordwestspitze der Landzunge noch nichts zu sehen. 10 Minuten später fiel mit einem Schlag der weiße Vorhang und binnen Sekunden zeigte sich backbords die gewaltige 100 Meter hohe Felsformation der Steilküste. Bis zum Leuchtturm Kullen konnten wir so knapp 10 Seemeilen unter Segel zurücklegen, dann mussten wir in den Wind, der nun von vorn aus dem Öresund kam. Unter Motor fuhren wir in Richtung Helsingborg / Helsingør, direkt ins Verkehrstrennungsgebiet vor der engsten Stelle im Sund. Hier hat die Berufsschiffahrt Vorfahrt und wir mussten sehen, dass wir beim Queren niemanden behinderten. Dank AIS konnten wir alle Frachter auf dem Seekartenplotter beobachten und uns einen geeigneten Weg suchen.

Um 14.40 warf Christian das Ruder um und es ging diagonal durch das große Verkehrstrennungsgebiet. Die Sicht war gerade wieder optimal und es waren keine kreuzenden Schiffe im Fahrwasser. Bei blauem Himmel und strahlendem Sonnenschein drehte der Wind und kam nun seitlich von Land. Da war er wieder, der Danske Sommer! Es war wie ein großer Warmluftföhn, der optimalen Wind zum Segeln bot. Groß und Genau raus und Schluss mit den nervigen Motorgeräuschen. Es wurde immer wärmer und zum Schluss segelten wir in kurzer Hose und T-Shirt. Bis zur großen Marina in Helsingør brauchten wir noch knapp 1,5 Stunden. Kurz vor der Hafeneinfahrt holten wir die Segel ein und fuhren zur Tankstation. Dort füllten wir 30 Liter Diesel in den Tank, verholten einen Steg weiter und fanden dort einen optimalen Liegeplatz. Längsseits versteht sich! Noch schnell das Boot aufgeklart und ab zum Schloss Kronborg, dem Wahrzeichen von Helsingør. Gegenüber der krasse Gegensatz, die schwedische Industriestadt Helsingborg. Wir gingen einmal um die ehemalige Festung herum und in den neuen Kulturhafen. Hier liegt das stillgelegte Trockendock, welches zu einem Schiffahrtsmuseum umgebaut wurde. Eigentlich wollten wir uns noch den historischen Stadtkern von Helsingør ansehen, aber der Hunger zwang uns zurück zum Boot. Im Hafen stand eine farbenfrohe Skulptur, die einem zum Nachdenken anregte. Nach insgesamt 446,8 Seemeilen in schwedischen Gewässern musste nun auch die blaugelbe Gastlandfahne ihren Platz räumen, wir waren wieder in Dänemark. Morgen soll es nach Kopenhagen gehen. Von hier sind es nur 20 Seemeilen, so dass wir dort nicht all zu spät ankommen sollten.



Wir hatten das Ende der Nebelglocke erreicht. Plötzlich waren die Seitenwände weg und die Steilküste von Kullen wurde sichtbar.



Unter Segel im Öresund. Unsere Marina liegt direkt vor dem historischen Schloss Kronborg.



Schloss, Hafen, Fährverkehr vor Helsingborg und ein Fisch, der sich von dem ernährt, was alles so an Müll im Meer herumschwimmt.


Tag 35: Corønå-Begrænsning

Donnerstag, 24.09.2020

Beim Aufwachen war der Wind bereits deutlich in den Masten zu hören. Ein Blick auf den Windfinder bestätigte die Vorahnung. Der Titel für den heutigen Tage sollte eigentlich "Gründonnstertag" sein. Grün ist im Windfinder die Farbe für Wind in der Windstärke 5-6, der heute direkt aus Süden kommen sollte. Also mal wieder Wind und Welle von vorne. In dem 50 Seemeilen langen Nadelør (hey, den hab ich mir gerade ausgedacht ;-) hier zwischen Dänemark und Schweden entsteht dazu unwahrscheinliche Strömung, die ein Vorankommen nicht gerade einfacher machen würde. Um 08.00 Uhr fuhren wir aus der Hafenausfahrt und bekamen den ersten Vorgeschmack, was Welle und Gegenstrom für uns so vorbereitet hatten. Circa 1½ Stunden bolzten wir gegenan, der Motor auf fast 3.000 Umdrehungen und 3 Knoten Fahrt!!! Wenn das so weiter ginge, bräuchten wir bis Kopenhagen gute 8 Stunden. Tja, und da war sie wieder, die fiese kurze und hackige Ostseewelle. Die Wellenabstände waren so kurz, dass die Bugsprit beim Hochkommen wie mit einer Schaufel in die Welle stach und die aufgeladenen Wassermassen nach hinten aufs Deck und ins Cockpit schleuderte. Wir saßen geschützt hinter der Sprayhood, die heute so goldwert war, wie selten zuvor. Ab 09.30 Uhr wurde es zum Glück ruhiger und die Wellen nahmen deutlich an Höhe ab. Wir kamen jetzt mit gut 4,5 Knoten voran. Ab 11.00 Uhr drehte der Wind auf Südwest, so dass wir die Chance nutzten, unter Segel hart an den Wind zu gehen. Blauer Himmel & Sonnenschein kamen als zusätzliche Crewmitglieder an Bord und mit 45° am Wind kamen wir nun unter Segel genau so schnell und in die gleiche Richtung, wie unter Motor. Nach wie vor kamen die Böen mit über 22 Knoten ins Rigg und packten die Fenster wieder direkt in die Spühlmaschine. Um 13.00 Uhr befanden wir uns vor den gigantischen Industrieanlagen vor Kopenhagen. Das Hauptfahrwasser ist für Yachten gesperrt, so dass wir die nächste "Abfahrt" nehmen mussten. Wir hatten uns einen tollen Liegeplatz in einem der Seitenarme in mitten des Altstadtzentrums ausgesucht. Kurz vor Erreichen der Kaimauer bekamen wir eine Nachricht aufs Handy, die unseren Segeltag für immer verändern sollte! Kein Geringerer, als der Hauptmann der Likedeeler persönlich (liebe Grüße an den Mischaaaeeeeeeeellll!), teilte uns mit, dass heute Morgen seitens des deutschen Auswärtigen Amtes eine Reisewarnung aufgrund von Corona u.a. für die Region Kopenhagen ausgesprochen wurde. Dieses würde eine zweiwöchige Quarantäne bei der anschießenden Einreise nach Deutschland bedeuten!

Die Nachricht hätte keine Minute später kommen dürfen, denn so konnten wir noch zwischen der backbordseitigen Leuchtturminsel und dem Offshore-Windpark parallel des Fahrwassers abbiegen. Nun ist guter Rat teuer. Christian studierte die Seekarten und fand in knapp 20 Seemeilen eine für die bestehenden Windverhältnisse günstig gelegene Marina am Ende des Öresundes. Wir nahmen also Kurs auf Skanör an der schwedischen Südwestspitze. Aus dem Hauptfahrwasser fielen wir nach Backbord ab und kamen parallel der Öresundbrücke, die mitten im Meer in einem Tunnel versinkt. Klingt komisch (sieht auch so aus!) ist aber so. Auf Steuerbord passierten wir noch einen weiteren Offshore-Windpark und kamen dann auf die schwedische Seite des Sundes. Bis kurz vor die Marina konnten wir segeln, bis wir in der Abendsonne um 18.10 Uhr die Segel einholten und unter Motor in das kleine Fahrwasser der Marina einfuhren. Hier fanden wir auf Anhieb einen Liegeplatz und machten längsseites fest. Kurz aufklaren und ab in Richtung Strand. Skanör zeigte sich als traumhafter Ort, mit schwedischem Charme und schneeweißem Sandstrand. Am Strand schlossen wir im Sonnenuntergang nach 41,2 Seemeilentag diesen tollen Segeltag mit einem lecker Kaltgetränk und einem (Zwischen-)Snack ab. Durch Corona haben wir so einen ganzen Tag an Rückreise gutgemacht, was insbesondere meine Lektorin, Annireichranitzki, besonders freuen dürfte... :-)



Alles grün! Der Süd angesagte Wind drehte zum Glück auf Südwest und bescherte uns einen traumhaften Segeltag.



Der Vattenfall-Offshore-Windpark kostete uns 20 Minuten umsegeln, rund um die Windräder ist ausgewiesenes Sperrgebiet!



Toller Ort, toller Strand, tolle Marina. Während in Kopenhagen der Virus um sich schlägt, waren wir hier in schwedischer Gemütlichkeit eingehüllt...


Tag 36: Timo's Taucherbrille

Freitag, 25.09.2020

Die Wetterprognose heute Morgen war leider auch nicht besser, als vor dem zu Bett gehen. Es wird Regen geben, ca. 7 Stunden. Zum Teil Starkregen und in den Pausen Nieselregen. Ab 10.00 Uhr sollte es losgehen, daher nutzen wir den Tag und fuhren bereits um 07.30 Uhr aus der Hafenausfahrt. Auf unserem Weg Richtung Süden mussten wir backbords zwei Untiefentonnen passieren, die wir unter Vollzeug bei einem perfekten Halbwindkurs umfahren konnten. Wir hatten noch Landabdeckung und keine Welle. Mit bis zu 6 Knoten Fahrt ging es direkt los. Vor der Einfahrt in den Öresund gibt es ein riesiges Verkehrstrennungsgebiet, welchens aufgrund der unterschiedlichen Fahrtrichtungen wie ein Kreisverkehr angelegt ist. Auf dem Kartenplotter konnten wir über AIS bereits beobachten, dass dort ordentlich was los war. Der Kurs Richtung Møn würde direkt durch den Kreisel führen, so dass wir hier erst noch weiter in Richtung Westen mussten. Nachdem die Landabdeckung zu Ende war, nahmen Wind und Welle deutlich zu. Wir mussten die Segel reffen und verkleinerten das Groß auf das zweite Reff und die Genua auf 70%. So konnten wir die Böen bei Windstärke 6 bestens abfangen. Gerade wieder im Cockpit zurück, fing es auch schon an zu regnen. Wir schoben die Großschot am Traveller in Lee und konnten so die Kuchenbude zumachen. So waren wir vor dem Regen geschützt. Hinten rollten wir die Persenning hoch und konnten so den Steuerstand besetzen. Kragen hoch und Kaputze auf. Um 09.20 Uhr waren wir kurz vor dem Verkehrstrennungsgebiet. Eine Gruppe von fünf Frachtern fuhr heraus, zwei Frachter fuhren ein. Wir steuerten noch ein bischen weiter westlich bis direkt an die Grenze. Die Fünfergruppe Richtung Osten hatte uns bereits passiert. Als der letzte der beiden Frachter Richtung Westen auf unserer Höhe war, zogen wir rum und gingen im 90° Winkel gerade durch in Richtung Süden. Wie damals das gute "Frogger"-Spiel. Hier nur unter Echtbedingungen. 09.40 Uhr befanden wir uns in der Mitte der beiden Fahrspuren und alle Frachter waren bereits weit weg von uns. So kamen wir problemlos in Richtung Møn weiter. Die Wellen waren auf gut 2 Meter angestiegen und kamen von Backbord auf 140° (von 8 Uhr!) Einige Brecher sorgten dafür, dass wir uns auf den Wellenkämmen bis zu 90° drehten und dann ordentlich gegenansteuerten mussten, da wir plötzlich auf Amwindkurs lagen. Das Regenradar prognostizierte für den heutigen Tag Starkregen, der Windfinder ließ auf heftige Böen schließen und ab Mittags sollte der Wind dann langsam auf West drehen.

Eines konnte von diesen Super-Apps jedoch keine vorhersagen. Und zwar, dass dieses alles gleichzeitig um 12.10 Uhr passieren würde. Der Wind stieg an auf Windstärke 6 und nahm weiter zu. Starkregen setzte ein, die Sichtweiter waren nur noch mehrere hundert Meter. Der Wind drehte binnen Minuten um 180°! so dass wir mit unserer Segelstellung wieder dahin zurückritten, wo wir herkamen. Und laut AIS muss hier direkt neben uns ein weiteres Schiff sein! Ausguck besetzen war kaum noch möglich, da die Sturmböen den Regen so stark in die Augen peitschte, dass man nicht mehr gucken konnte. Und da kam Timo's Taucherbrille ins Spiel, die noch in einer der Seitentaschen im Cockpit lag. "Ich lass die Euch da, wer weiß wofür ihr sie noch braucht!" sagte er damals in Aalborg und heute kam sie zum Einsatz. Nur so konnte ich gegen den Wind nach dem Schiff Aussicht halten. Wir mussten die Segel einholen, um erstmal den Druck aus dem Rigg zu nehmen. Ich startete die Maschine und stellte das Boot in den Wind. Während ich die schlagende Genua einrollte, klinke Christian sich ins Sicherheitsgeschirr ein und ging an Deck. Das Regenwasser schoss aus dem Lazybag (der Großsegeltasche) heraus, wie aus einer Dachrinne ohne Endkappe und duschte ihn schon beim Aussteigen aus dem Cockpit vollständig ab. Während das Großsegel noch im Wind flatterte und der Großbaum aufgrund der heftigen Welle hin und her schlug, ertönte plötzlich ein ohrenbetäubendes Schallsignal von Backbord. Es war das ominöse Schiff, welches auf dem Plotter die ganze Zeit an uns dran war, wir es aber nicht sehen konnten. Es war die "Sea-Watch", ein 26 Meter langer und 10 Meter breiter Hochseekatamaran unter dänischer Flagge, eine Art Küstenwache oder SAR Kreuzer (Search And Rescue). Sie hielt weit Abstand von uns und beobachtete unser Treiben. Über UKW-Channel 16 sprach die Besatzung uns an. Sie hätten uns auf dem Plotter gesehen und sich bei diesen Schwerwetterbedingungen Sorgen gemacht. Als sie uns in echt erkennen konnten, sahen sie nur Christian oben an Deck mit dem Großsegel kämpfen. Sie fragten ob alles in Ordnung sei oder ob wir technische Probleme hätten. Ich antwortete, dass alles o.k. sei und Boot und Crew zwar komplett durchnässt aber in bester Verfassung seien. Mit "Thanks for watching!" bedankte ich mich für uns entgegengebrachte Aufmerksamkeit. Die Sea-Watch betätigte unsere Antwort, wünschte noch gute Fahrt und verschwand wieder irgendwo hinter der Regenwand. Krasse Nummer irgendwie!

Alles war nass! Wir waren nass, das Cockpit schwamm und selbst unten im Niedergang hatte sich das Regenwasser großflächig verteilt. Wir machten die Kuchenbude wieder zu und mussten uns erstmal sortieren. Der Wind hatte tatsächlich um 180° von Ost auf West gedreht. Wir brauchten also nur das Segel jetzt an Backbord wieder rausholen, und weiter ginge der Ritt! Genua voll raus und Motor wieder aus. So kamen wir die nächsten 12 Seemeilen weiter in Richtung Møn voran. Der Regen ließ nach und langsam wurde das Steilufer von Møns Klint sichtbar. Wir kamen nun unter Landabdeckung und der Wind ließ komplett nach. Unter Maschine fuhren wir parallel zu den Kreidefelsen, der Besonderheit dieser Insel. Von hier aus brauchten wir noch knapp eine Stunde bis in die Marina Klintholm. Nach 37,3 Seemeilen machen wir längsseits genau an der Stelle fest, wo ich mit dem Tiger 2018 bereits mit der Rumtreiber lag. Als erstes Landstrom legen und zwei Heizlüfter an. Dazu noch die Standheizung und langsam wurde uns wärmer. Eine heiße Zwiebelsuppe heizte von Innen zusätzlich. Klitschnasse Segelanzüge, Handschuhe, Westen, Pullover und Socken hingen überall im Boot verteilt, der Salon glich einem römischen Dampfbad. Wärme und Wind fegten durch das Boot und ließen Klamotten und Seekarten langsam wieder trocknen. Wir gingen anschließend zum Hafenkontor, bezahlten unsere Gästegebühr und dann unter die heiße Dusche. Mit Urlaub oder Seefahrer-Romantik hatte das heute alles nichts zu tun, es war aber wieder eine weitere Erfahrung, die zu noch mehr Handlungssicherheit und unwahrscheinlichem Vertrauen in meine Rumtreiber geführt hatte. Am Ende ist doch immer etwas Positives dabei! Morgen soll es weiter nach Gedser gehen...



Das Verkehrstrennungsgebiet vor dem Öresund. Hier mussten wir durch und hatten Glück, das gerade alle Frachter weg waren.



Vorgesten hatten wir noch Scherze gemacht und kräftig gelacht. Heute kam die Brille tatächlich zum Einsatz!



Der Himmel wurde rechtzeigig wieder hell, und es präsentieren sich die Kreidefelsen von Møns Klint an Steuerbord.


Tag 37: Alles richtig gemacht!

Samstag, 26.09.2020

Der Westwind nahm zum Abend hin deutlich zu und tobte sich in der Nacht noch spürbar aus. Das Boot wackelte, das Tauwerk knartschte an den Klampen, die Fallen klapperten leise im Mast und die Fender spielten Akkordeon an der Pier. In den frühen Morgenstunden schlief er glücklicherweise ein und ließ uns ruhig schlafen. Den Schlaf konnten wir auch gut gebrauchen, denn der gestrige Tag steckte uns abends kräftig in den Knochen. Nicht essen zu können, obwohl einem schlecht vor Hunger ist, nass und durchgefroren zu sein ohne Aussicht auf Änderung, nicht anhalten und aussteigen zu können, um der Situation zu entgehen und keinen Schlaf zu bekommen obwohl man hundemüde ist, sind Dinge, die wir alle glücklicherweise in unserem Alltag nicht kennen. Da liegen die Sorgen eher beim nächsten Urlaub, dem besseren Handy oder dem neuen E-Bike. Hier auf See bekommen jedoch nach einem heftigen Tag die im Alltag unbeachteten Kleinigkeiten und Selbstverständlichkeiten des Lebens eine ganz neue und besondere Wertigkeit. Fest im sicheren Hafen liegen, eine einfache heiße Tütensuppe, langsam wieder warme Füße bekommen und ein gesunder Schlaf wurden gestern für uns zum größten Luxus, der mit Geld nicht aufzuwiegen war. So wenig kann unter Umständen reichen, um glücklich, zufrieden und dankbar zu sein!

Der Weg nach Gedser, die südlichste Spitze Dänemarks gegenüber von Warnemünde, war von hier aus knapp 35 Seemeilen entfernt, für die wir bei 5 Knoten Fahrt gute 7 Stunden brauchen würden. Heute ist guter Wind angesagt, jedoch erst frühestens ab Mittag und dann zum Abend wieder richtig kräftig. Daher entschieden wir uns, um 09.00 Uhr aus der Marina zu fahren und unter Motor und Großsegel schon einmal 10 bis 15 Seemeilen gut zu machen. Das Fahrwasser vor der kleinen Marina neben dem Fährschiffhafen ist sehr klein, verwinkelt und nachts nicht beleuchtet. Dort bei Windstärke 6 im Dunklen rein wollten wir nicht. Wir kamen jetzt in riesen Schritten in Richtung Heimathafen. Von Helsingø aus wären wir mit 20 Seemeilen am Tag locker zum nächten Wochenende zu Hause gewesen. Wir hatten heute Abend in drei Tagen bereits 113 Seemeilen gutgemacht, da zwischen den Stationen keine Möglichkeit für einen Zwischenstopp bestand. Um 12.00 Uhr hatten wir bereits 16 Seemeilen im Kielwasser gelassen und fuhren weiter auf die Südspitze der Landzunge von Falster zu. Und Wind kam auf, wie angekündigt von Nordwest, mit einer dünnen Windstärke 3. Wir zogen die Genua mit voller Segelfläche raus, machten den Motor aus. Mit einem Halbwindkurs von Steuerbord kamen wir mit über 4 Knoten Fahrt direkt auf Gedser weiter zu. Der Plan ging also auf, so würde wir Gedser unter Segeln spätestens gegen 17.00 Uhr erreicht haben. Der Himmel war bedeckt, ab und zu kam die Sonne durch. Es war milde und trocken, besten Voraussetzungen für einen entspannten Schlag Richtung Heimat.

Heute wurden wir zur Abwechselung mal besegelt, auch schön wenn man nicht alles selber machen musste. Der Wind sorgte für den Vortrieb und der Autopilot übernahm das Steuern. Mit über 5 Knoten Fahrt ohne groß zu krängen fuhren wir über Stunden direkt auf das Ziel zu. Wir nutzten die Zeit um zu Essen, schreiben und aus unseren Logbüchern noch Zeiten und Meilen für eine Abschluss-Statistik zu ziehen. So verging die Zeit wie im Fluge und wir waren um 15.00 Uhr bereits vor Gedser Odde auf Höhe des Leuchtturms. Der Wind hatte immer mehr auf Nord gedreht, so dass wir bis ins Fahrwasser vor dem großen Fährschiffhafen unter Segel kamen. Wir holten die Genua ein, da der Wind immer mehr zunahm und wir Fahrt verlangsamen mussten, da die Scandlines Hybird Ferry direkt auf den Hafen zufuhr. Hinter ihr fuhren wir dann ins Fahrwasser ein und gingen links am Hafenbecken vorbei. Das letzte Stück fuhren wir unter Motor, da der Wind nun direkt von vorne kam. Kurz vor der kleinen Marina frischte es nochmals kräftig auf und es fing an zu regnen. Bitte nicht schon wieder!!! Wir brauchten keine 5 Minuten, da lag die Rumtreiber längsseits fest vertäut um 16.10 Uhr am Gästesteg. Wir machten schnell die Kuchenbude zu und freuten uns, dass wir so zeitig angekommen waren. Somit hatten wir heute alles richtig gemacht, es war eine gute Entscheidung, die windfreie Zeit heute Morgen zu nutzen. Draußen wurde es ab 17.30 Uhr so richtig ungemütlich. Es goss in Strömen und der Wind kam mit einer steifen 6 um die Ecke. Bis abends kamen noch mehrere deutsche Charter-Chrews in den Hafen, die es bei diesen Bedingungen mit unter schwer hatten, die großen Yachten bei Sturm und Regen festzumachen. Uns war es egal, unter Deck lief die Heizung, gute Musik und das elektrische Kochgerät. Heute gab es selbstgemache Kartoffelsuppe mit Würstchen und abends die Zocker-Olympiade in der Hauptdisziplin 10.000. Das Einzige, was heute fehlte, war der Spannungsbogen in der Geschichte. Den müssen wir morgen dann wohl mal wieder rauskramen ;-)



Vor uns ging die Scandlines Hybrid Ferry mit ihrer überdimensionalen Windturbine im Fahrwasser durch und direkt aufs Terminal zu.



Draußen ungemütlich: Christian nach dem Anlegen auf dem Weg zum Hafenkontor. Wir sind heute vom Regen verschont geblieben.



Drinnen gemütlich: Unter Deck ging es heiß her, wir ließen nicht nur die Heizung glühen, sonder auch die Knobelbecher...


Tag 38: Copy And Paste!

Sonntag, 27.09.2020

Es ist ja nicht so, dass mir die Fantasie ausgehen würde, aber wir wollen bei der Wahrheit bleiben und heute war es tatsächlich genau das Gleiche wie gestern. Der Wind stieg in der Nacht noch weiter an. Der Windmesser lief mit und protokollierte die maximalen Böen: 35 Knoten, Windstärke 8! Das hatten wir auf dieser Tour jedoch noch nie gehabt. Entsprechend krachte es im Boot und der Wind pfiff "Junge, komm' bald wieder..." in den Masten und Wanten ;-). Wind gibt es die nächsten Tage nur noch ganz oder gar nicht. Daher war auch heute der Plan, in der Flaute Meilen zu machen und schon da zu sein, wenn Goliath wieder wild um sich schlägt. Um 05.00 Uhr war der Wind zum Erliegen gekommen, ab 14.00 Uhr soll wieder der Hammer kreisen. Wir stellten uns den Wecker auf 06.30 Uhr und fuhren um 07.15 Uhr bei Windstille unter Motor und traumhaft leuchtenden Positionslichtern aus dem Hafen. Vor uns ging glücklicherweise gerade die Scandlines-Ferry raus, so dass wir die im Fahrwasser vor uns schon mal los waren. Ab der dritten grünen Tonne änderten wir den Kurs nach Steuerbord und passierten die große Sandbank Krodhage sowie den Offshore Windpark RØD an der Südspitze Lollands. Um nach Fehmarn zu gelangen, mussten wir einmal durch die Schiffahrtsstraße zwischen dem Fehmarnbelt und dem Verkehrstrennungsgebiet unterhalb von Gedser. Hier waren wieder allerhand Frachter unterwegs. Frogger 2.0! Christian verfolgte alle Schiffe auf dem Plotter und glich sie mit der Umgebung ab. Und dann Attacke und mitten durch! Fünf Frachter um uns herum und wir mitten drin. Die Schiffe haben hier keine Vorfahrt und müssen uns genauso ausweichen, wie wir ihnen. Trotzdem ist es immer ein beruhigendes Gefühl, wenn sie alle weit genug entfernt sind und wir niemanden zum Kursändern zwingen müssen. Wir kamen super durch und gingen weiter auf Staberhuk zu, der Südostspitze Fehmarns. Um 11.26 Uhr holte Christian die dänische Gastlandfahne aus dem Mast, denn ab hier waren wir wieder in Good Old Germany. Auf dem Handy auch gleich zu erkennen! Überall in Dänemark, Schweden und Norwegen hatte ich ununterbrochen super Netzempfang und dauerhaft LTE, Deutschland begrüßt uns mit dem wie nicht anders zu erwartenden Klassiker: "Kein Netz!". Das ist schon traurig.

Um 12.00 Uhr hatten wir bereits 21 Seemeilen gut gemacht und der Leuchtturm Staberhuk setzte sich leicht von dem grauen Hintergrund ab. Heute gab es im Logbuch bei Wetter ein "m" für "misty", stark diesig, alles grau in grau mit leichtem Sprühregen. Dafür war die See unwahrscheinlich glatt und die Rumtreiber glitt ohne nennenswertes Schaukeln durchs Wasser. Unter Deck lief die Elektroheizung und wandelte die überschüssige Energie der Lichtmaschine in wohltuende Wärme um. In der Küche wurde gekocht und gebrutzelt. Anschließend nutzte ich die Zeit und fing an, diese heutige, atemberaubende Story zu schreiben. In welcher Backskiste hatte sich bloß dieser blöde Spannungsbogen versteckt?!? Skiurlaub in Österreich, Wandern in Südtirol, Campen am Gardasee. So schön die Zeit vor Ort auch war, sie ist immer verbunden mit einer nervigen Rückfahrt, auf der es kaum interessante Passagen gibt. Heute war bei uns offensichtlich auch so ein Tag. Um 13.00 Uhr waren wir bereits Höhe Leuchtturm Staberhuk und fuhren um 14.10 Uhr ins Fahrwasser Burg ein. Standesgemäß schallte vorbei am Café Sorgenfrei "Jammin'" von Bob Marley lautstark aus der Musikbox, so wie es die letzte Saison traditionell zelebriert wurde. 10 Minuten später lagen wir fest in der Box 5 an Steg 3. Genau auf meinem Saisonplatz vom letzen Jahr; auch wieder ein zweites schönes Wiedersehen! Wir gingen zum Hafenmeister - Stopp! Mund-Nasenschutz! Stimmt, da war ja mal was und das hatten wir lange nicht mehr gehabt. Maskiert ging es zum Hafenmeister und wir klarierten auf der Sonneninsel ein. Leider konnten wir den kleinen Sauna-Wagen im Hafen nicht mieten. Wir hatten uns den ganzen Tag schon so drauf gefreut, aber Corona machte uns einen Strich durch die Rechnung.

Um 17.00 Uhr rumste es wieder kräftig an Bord und das Boot schaukelte ordentlich. Laaangweilig, kennen wir schon, hatten wir schließlich die letzten zweit Tage dauerhaft im Hafen. Aber Moment mal, wir hatten Windstille und keine Welle. Hier stimmt was nicht! Hoch ins Cockpit und wir sahen sofort, was hier los war. Ich hatte an Backbord da tatsächlich eine Yacht an der Reling kleben! Eine vollkommen unfähige 2-Mann-Charter-Crew lag mit ihrer 34 Fuß Yacht quer über zwei Liegeplätze mit dem Buganker in meiner Relingstütze. Ich drückte den Bug raus, ließ mir das Tauwerk rübergeben und versuchte, dass Boot in die eigentliche Box zu ziehen. Der Steuermann wusste nicht, was er machen sollte, und der Copilot stand taubstumm und wie angenagelt an Deck. Bis zum Schluss wusste ich nicht einmal, ob das überhaupt Deutsche waren und die mich verstehen, da sie nicht (und auch nicht miteinander) gesprochen hatten. Christian und ich zogen den Karren mit vereinten Kräften an Bug zwei Liegeplätze weiter und konnten die Leinen dann über Slip an der Klampe zurück an den HiWi übergeben. Der Steuermann bedankte sich und fragte, ob etwas zu Schaden gekommen sei. Zum Glück ist bei der Rumtreiber nichts ernsthaft kaputt gegangen. Im Omnia brutzelte währenddessen unser "Best-of-the-Rest-Auflauf", mit Kartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch, Broccoli, grüne Bohnen und Hähnchenbrustfilets, goldbraun mit Parmesan überbacken. Analog dazu gab es den "Alles-muss-raus-Cocktail", ein lecker MaiTai auf Eis, den wir das letzte Mal irgendwo in Schweden hatten. Langsam müssen die Ladenhüter weg... Abends holten wir nochmal die Knobelbecher raus, da der Spaziergang aufgrund von Dauerregen ausfiel. Morgen Abend wollen wir nach über 900 Seemeilen wieder im Passathafen liegen.

@ Timø: Um 18.00 Uhr an E20? Bring Hunger, Durst und Tupperware® mit...!



Was auf dem Plotter dicht an dicht wirkt, sind in echt schon einige 100 Meter. Wir wieder mittendrin, statt nur dabei!



Sauna-Wagen und Ruheraum. Wir hatten uns so gefreut, direkt vom Bord in die Sauna zu gehen. Dank Corona geschlossen :-(



Gleiches Boot, gleicher Liegeplatz, nur ein Jahr her. Kaum zu glauben, dass die Rumtreiber hier 2019 eine ganze Saison zu Gast war.


Tag 39: Immer noch nicht am Ziel!

Montag, 28.09.2020

Wieder alles grau und nass. Der Wind hatte über Nacht gedreht und kam jetzt bei Windstärke 4 direkt aus Süd. Bevor wir das Tauwerk lösten, kontrollierte ich den Dieseltank und stellte erschrocken fest, dass dieser leer war. Also komplett leer. Wir mussten demnach noch mit dem Rest, der in der Leitung war, in die Box gekommen sein!. Ich holte den Reservekanister aus dem Vorschiff und füllte 15 Liter Kraftstoff nach. Um 08.00 Uhr ging es aus dem Hafen. Schon im Fahrwasser kamen Wind und Welle direkt von vorne und bremsten merklich unsere Fahrt. Draußen zogen wir Groß und Genua raus und versuchten mit 30° am Wind irgendwie in Richtung Travemünde zu kommen. Der erste Schlag führte mit den Segeln an Backbord in Richtung Kühlungsborn, der zweite an Steuerbord in Richtung Fehmarnsund. Es war wieder die kurze hackige Dreckswelle, die uns keinen Meter an Höhe in Richtung Heimat kommen ließ. Also Motor an, Segel runter und volles Rohr gegenan. Es war ein widerliches Gebolze über Stunden. Zwei Meter vor, einen Meter zurück! So hatten wir uns unseren letzten Tag der Reise nicht vorgestellt! Die Hoffnung war, dass wir bis Dahmeshöved unter Maschine fahren, um dann unter Segel nach Südwest in Richtung Travemünde kämen. Noch bevor wir die Landspitze mit dem Leuchtturm erreichten, drehte der Wind auf Südsüdwest und nahm uns jegliche Illusion, dass sich hier noch was ändern würde. Alles knallte und schepperte unter Deck, jede zweite Welle ließ die Bugsprit Wasser schaufeln. Einfach nur anstrengend und schwerst frustrierend! Wir motorten mit Absicht weit raus, damit wir hinter Dahmeshöved nicht gleich an den Strand segeln würden, wenn wir den Kurs in Richtung Südwest ändern würden.

Um 12.00 Uhr zogen wir Groß und Genau an Steuerbord hoch. Nach Travemünde kamen wir so auf keinen Fall, zumindest aber ging der Kurs parallel der Küste vorbei an Kellenhusen in Richtung Grömitz. Na bitte, nach den letzten drei Tagen ist man doch schon mit wenig zufrieden. Der Wind ließ deutlich nach und wir dümpelten mit mehr oder weniger 2 Knoten an der Seebrücke von Kellenhusen vorbei. Gefühlt dauerte es Stunden, bis wir den kleinen Bäderort passierten. Dann frischte der Wind auf und kam von Süd. Mit 4 bis 5 Knoten Fahrt ging es richtig voran, angenehm bei 60°. Gegen 15.30 Uhr schlief er dann fast ein und machte ein Vorankommen ziemlich unmöglich. Wat nu? Wieder Motor an und weitere 12 Seemeilen motoren? Auf keinen Fall, wir waren schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Daher entschlossen wir uns kurzerhand neben der Marina Grömitz vor dem Steilufer den Anker zu werfen und ein letztes mal das schöne nächtliche Schaukeln an der Kette zu genießen. Um 16.25 Uhr lagen wir fest am Ankergeschirr und hofften inständig, dass die Welle noch weiter abnehmen würde. Unter Deck schaukelte es dauerhaft und ziemlich heftig. So romantisch müsste es dann bitte doch nicht sein ;-). Ab 19.00 Uhr wurde es deutlich ruhiger und wir schalteten das Ankerlicht für die Nacht ein. Das Travemünder Maritim war als Start- und Ziellinie dieser Reise von hier bereits in greifbarer Nähe. Morgen früh soll es dann im Sonnenaufgang in den Heimathafen gehen.



Alles grau, alles nass, alles tropfte. Kein würdiges Wetter um eine geschichtsreife Reise zu beenden!



Das Maritim von Travemünde war zum greifen nah. Trotzdem reichte es nicht, um nach Hause zu kommen.



Draußen wurde es dunkel, unten wurde es gemütlich. Mit einem guten Ankergeschirr lässt sich so manche Hafengebühr sparen!


Tag 40: Das darf doch nicht wahr sein!

Dienstag, 29.09.2020

Heute Morgen klingelte der Wecker bereits um 06.30 Uhr. Kurz nach 07.00 Uhr geht die Sonne auf und für heute war Kaiser-Wetter angesagt (Moin Klaus!). Der Nachthimmel war sternenklar. Um 06.50 Uhr hoben wir den Anker und fuhren unter Motor in Richtung Travemünde. Es war nur wenig Wind, und der kam dann auch noch direkt von vorne. Um 07.24 Uhr kam die Sonne raus und löste die Nacht ab. Bis zum Brodtener Steilufer motorten wir in der Morgensonne. Der Wind hatte ein bisschen zugenommen, kam aber weiterhin von Süd. Die Frage, ob wir lieber weitermotoren oder doch noch mal segeln, beantwortete sich um 09.10 Uhr von selbst, als der Motor noch mal kurz stotterte und dann ausging. Aus die Maus! Und das kurz vor zu Hause. Ein Blick in den Dieseltank erklärte das bockige Verhalten der Maschine. Leer, alle, empty, nix mehr drin! Mit 1,5 Liter die Stunde wäre ich von Fehmarn locker unter Motor nach Hause gekommen, das gestrige gegenan Gebolze hatte wohl doch mehr Energie gefordert, als erwartet. Das positive daran: Wir hatten endlich den Spannungsbogen wiedergefunden, die Frage war nur, wie bekamen wir ihn wieder los?!?

Der Vorteil an einem Segelboot ist ja, dass man unter Umständen auch ohne Motor dahin kommt, wo man möchte. Offensichtlich sollten wir die Reise nicht mit Motor beenden, sondern bei diesem Wetter standesgemäß unter Segel. Wir nahmen die Herausforderung an und zogen Groß und Genua hoch und guckten, was passiert. Wir kamen mit 2,5 Knoten Fahrt immerhin schon einmal voran. Nach Travemünde mussten wir aufkreuzen und kamen mit vier langsamen Schlägen letztendlich bis zum Fahrwasser. Auf dem AIS sahen wir, dass erst die Peter Pan und anschließend die Finlines aus der Trave kamen. Somit hielten wir Abstand und kamen parallel zum Fahrwasser bis kurz vor die Nordermole. In der Travemündung war zu sehen, dass ab der Passat der Südwind vollständig weg war und ein vorankommen unter Segel nicht möglich war. Probleme sind dafür da, um gelöst zu werden. Ich kletterte in das Gestänge der Windsteueranlage und klappte die Badeleiter herunter. Schnell mit Daumen und Zeigefinger den Abstand gemessen und zum Entschluss gekommen: Passt! Ich nahm den Außenboder vom Dingi aus dem Relingskorb und hing ihn in die Badeleiter ein. In der letzten Stufe kurz vor der Wasseroberfläche hatte er eine perfekte Höhe. Benzinhahn und Tankentlüftung auf, Choke raus und gib ihm. Der Motor sprang auf Anhieb an. Der Gasgriff ist 180° verstellbar, so dass ich ihn nach oben stellte und den Motor so bedienen konnte. Ziemlich bissig, der Kleine! Unter Halbgas schob er die vier Tonnen der Rumtreiber mit 2,8 Knoten Fahrt in die Travemündung. Kurz vor der Einfahrt in den Passathafen holten wir die Segel ein und tuckerten im Standgas bis in die Box. Dalben und Klampen belegt und die Rumtreiber war nach 40 Tagen wieder fest vertäut in der eigenen Box. Na bitte, geht doch. Man muss sich nur zu helfen wissen! Anschließend gab es noch eine kräftige Mahlzeit und wir machten uns ans Abrüsten und aufräumen. Kuchenbude zu, Adeneauer rein und tschüß bis zum nächsten Mal...



Not macht erfinderisch: In dem stabilen Aries-Gestänge konnte ich den Motor an die Badeleiter montieren und den Gasschieber einstellen.



Klein aber fein: Der Yahaha Malta drückte mit seinen 3,5 PS die dicke Berta zuverlässig und autark voran. Hut ab!



Der Wind war weg und wir holten die Segel ein. Was für ein Abschluss eines spannenden Abenteuers!


Christians Rückblick

Traumhafte Segelzeit!

Anfang des Jahres war eine Koje auf der rumtreiber für einen Törn in die schwedischen Schären zu vergeben. Das war eine begeisternde Aussicht. Schnell verflog die Wartezeit und heute ist für mich schon der 28. und letzte Tag dieser traumhaften Reise. Tage und Nächte, in denen ich Ingmar begleiten durfte. In Aalborg, mit dem Crewwechsel mit Timo, am nördlichsten Punkt im Svalerödkilen und dann kreuz und quer durch die schwedischen Westschären. Zu Anfang mit Glück ohne ernsthafte Schäden und am Ende als eingespieltes Team locker und souverän.

Vorher habe ich schon mal überlegt, wie es werden mag, wenn man zu Zweit auf ca. 25 m² für vier Wochen "eingesperrt" ist? Heute kann ich sagen, es war toll. Stressige Anlegemanöver fanden ihre Auflösung im Gespräch und einem Ausgleichs-Molinari. Tolle Segeltage ihren Abschluss mit einem ausgezeichneten MaiTai, andere schöne Momente krönten wir wahlweise je nach Tagesgeschmack. Auch beim Essen gab es keine Differenzen. Entweder gab es Etwas und das war lecker oder es gab Hunger. Sattgeworden sind wir immer. Selbst in Ingmars Spezialdisziplin 10.000 Würfeln konnte ich ihm stellenweise das Wasser reichen. Und wenn es nur für die Weißweinschorle reichte.

Toll war während der Reise die Abgeschiedenheit. Dem normalen Tagesablauf völlig entrückt. Sich mit Wetter, Wind und Seekarten auseinandersetzen. Und das mit dem realen Bild vor Augen abzugleichen, insbesondere in den Schären. Den Blick in Wellen und Weite zu versenken. Entschleunigt den Tag genießen, einzig mit der Frage beschäftigt: Wo bleiben wir heute Abend? Keine Nachrichten, kein Fernsehen, kein Corona.

Letztlich war der Tag sauber organisiert: Erst segeln und dann Logbuch schreiben. So schön es sich später lesen läßt, so wunderbar die Bilder auch sind: Der Aufwand dafür ist schon sehr hoch. Da es jedoch mit Sonnenuntergang spätestens um 20 Uhr draußen kalt wurde, haben wir gemeinsam am Rechner gesessen und den geselligen Teil ab Mitternacht gestaltet. Aber: Am Ende der Reise hat nun jeder von uns sein Tagebuch fertig.

Und was bleibt an Erinnerungen? Die tolle Auszeit selbst. Das Navigieren in den Schären mit Karte und Plotter. Immer wieder neue Durchblicke zwischen den Schären. Das Einschlagen von Schärenankern in den Fels. Strahlender Sonnenschein. Der MaiTai auf Stora Klövskar und der Rum auf Algön, beides im Sonnenuntergang. Schöne Naturhäfen und Ankerbuchten von karg bis lieblich. Segeln in allen Formen mit wenig Wind bis stürmisch, Wellen von klein bis riesig. Und immer mit dem Gefühl der Sicherheit auf der rumtreiber. Wie schön einfach kann Leben auch sein.

Vielen Dank für die traumhafte Segelzeit und Allen, die mir das möglich gemacht haben. Wie sehen uns im Alltag wieder.

Tschüß, Christian


Reise-Fazit:

 

Die Reaktionen auf mein Segelvorhaben vor Beginn dieser Reise gingen weit auseinander. Von "sechs Wochen Segelurlaub, das ist ja mega!" über "krasse Nummer" bis "willst Du dir das wirklich antun?" war alles dabei. Wer unseren Schwedentörn hier mit verfolgt hat, wird jetzt vielleicht auch anders denken, als vorher. Man muss unter Umständen sehr viel leisten, ohne zu wissen, was man dafür bekommt und über seine Grenzen gehen, um weiter zu kommen. Es war ein einzigartiges Abenteuer und jede der oben genannten Reaktionen hatte ihre Berechtigung. Mit dem eigenem Boot im Sonnenuntergang an einer Schäre liegen, das war mega! 23 Stunden über Nacht nach Schweden segeln, weil der Wind nichts anders zuließ, das war eine krasse Nummer. Starkregen bei Windstärke 6 mitten auf der Ostsee, will man sich das wirklich antun? Ja, das wollten wir und haben die Herausforderung angenommen.

Mit dem, was der Pauschaltourist als "Urlaub" bezeichnet, hat Segeln nichts zu tun. Ich selber habe auf dieser Reise lange darüber philosophiert, was es denn letztendlich sei und bin zu dem Ergebnis gekommen, es als "work & travel" zu bezeichnen. Planen, berechnen, navigieren, Logbuch führen, Wind und Wetter aktualisieren und einen geeigneten Ort für die Nacht suchen, das waren unsere täglichen Aufgaben. Anker heben, Beiboot winschen, Außenborder über die Reling heben, Segel hochziehen und bergen, Tauwerk aufschießen, Essen kochen, abwaschen, aufklaren usw. waren unsere täglichen Arbeiten. Dafür kamen wir widerum an Orte, an die man anders gar nicht gelangen kann und hatten dort unsere Ruhe vor den Menschenmassen. Was wir wirklich nicht viel hatten, war Erholung. Dafür waren die Reisetage oftmals lang und die Nächte überwiegend unruhig. Der tägliche Eintrag im Online-Logbuch ließ vom Feierabend oft nur wenig übrig und übte auch gewissen Druck aus. Die dauerhafte Verantwortung für Boot und Crew nagte zusätzlich an den Energiereserven.

Es war eine traumhafte Zeit, mit tollen Erlebnissen und einer Vielzahl an neuen Erfahrungen, in einem bis dahin unbekannten und einzigartigen Segelrevier. In 265 Stunden in Fahrt bewegten wir uns durch vier Länder. Insgesamt waren wir 975 Seemeilen unterwegs, das entspricht an Land einer Strecke von 1.805 Kilometern. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit betrug dabei umgerechnet lediglich 7 km/h (3,6 Knoten) und die teilweise hart erkämpft. Einundzwanzig Nächte lagen wir fest vor Anker, an Moringbojen oder am Felsen, fünfzehn Nächte verbrachten wir in unterschiedlichen Häfen und zwei Nächte segelten wir durch.
Alles an Planung und Vorbereitungen hatte letztendlich seinen Sinn und ging perfekt auf. Der große Seekartensatz, die Törnführer, Verpflegung, Schärenanker, Mooringhaken, extra langes Tauwerk und die verbaute Technik. Sicherheit durch AIS, Unabhängigkeit durch Solar, ausreichend Energie durch große Batterie und Spannungswandler, alles funktionierte wie geplant und einwandfrei. Frischwasser-, Diesel- und Benzinvorräte waren (fast) immer ausreichend vorhanden. Die Batteriespannung lag nicht einmal unter 12,2 Volt und es fehlte uns an nichts da draußen. Das Boot hat alles gut überstanden, Segel und Motor leisteten zuverlässigste Arbeit und ließen uns nie im Stich (höchstens der Dieselkraftstoff ;-). Mit meinen Crew-Mitgliedern hatte ich eine tolle und perfekt funktonierende Männer-WG, ohne Steit oder Zwischenfälle.

In dieses Logbuch sind deutlich mehr als 100 Stunden Arbeit geflossen und ich habe versucht, Euch so authentisch wie möglich an unserem Bordleben teilzuhaben. Oft habe ich bis nachts gesessen und mich gefragt, für wen ich das hier eigentlich alles mache. Daher würde ich mich sehr freuen, wenn sich jeder, der es gelesen hat -wenn noch nicht geschehen- einmal im Gästebuch einfach nur mit Namen eintragen würde, damit ich mal eine ungefähre Vorstellung davon bekomme, "wer alles mit uns so an Bord war"!

Ahoi und Tschüss bis zum nächsten Abenteuer, Euer Rumtreiber

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